Privater Aufbau einer irakisch-christlichen Miliz

Für 1000 US-$, „einem kleinen Betrag“, kann man die Ausbildung eines Milizen-Kämpfers finanzieren. Ab 100 US-$ bekommt man ein Bild von einem Kämpfer geschickt, welches man sich einrahmen oder als Poster aufhängen kann. Das Bild ist aber auch schon für 20 US-$ im Shop erwerbbar[1].

Nördlich von Mosul startete Ende letzten Jahres ein Boot Camp. Es ist ein neues Projekt, bei dem US-Veteranen Iraker trainieren. Das Gelände wird von kurdischen Peshmerga bereitgestellt. Matthew VanDyke, der bekannt wurde als er an der Seite von Rebellen gegen Ghaddafi in Libyen kämpfte, berichtet, dass die Moral der Anwärter mit nichts vergleichbar sei.  Die Beschlagnahmung ihres Besitzes durch Da’esh, die Vergewaltigung ihrer Frauen und ein machtloser irakischer Staat hätten in ihnen ein Feuer entfacht. Ende Februar graduierten die ersten 500 Christen[2].

Privatpersonen bauen eine Miliz auf

Begonnen wurde das Projekt von VanDyke, der im Dezember mit einem US-Veteran aus Afghanistan die ersten 25 Freiwilligen ausbildete. Als er – nach eigener Aussage – das Feuer in den Kämpfern brennen sah, holte er einen US-Marine zur Ausbildung in den Irak. Kurz darauf folgten nochmal zwei Veteranen der US Army. Zum Zweck gründete VanDyke Sons of Liberty Internatioanal (SOLI), eine private Sicherheitsfirma, die auf ihrer Homepage damit wirbt, auf keinen Gewinn aus zu sein und sich für Minderheiten auf der Welt einsetzt[3].

Mittlerweile helfen Christen von überall auf der Welt finanziell mit, den Kampf gegen Da’esh zu unterstützen. Die bekannteste Miliz ist die Niniveh Plains Protection Unit (NPU). Sie gehört Restore Niniveh Now (RNN), was wiederum von der American Mesopotamian Organization (AMO), eine assyrisch-amerikanische Gruppe mit Sitz in Kalifornien, betrieben wird. Zuvor wurde die NPU von VanDyke aufgebaut. Die Zusammenarbeit zwischen VanDyke und RNN wurde mittlerweile eingestellt. RNN wirft VanDyke vor, die Arbeit im Irak für private Zwecke zu missbrauchen[4].

Die AMO hat nach eigenen Angaben bereits über 250.000$ gesammelt – 80% in den USA, wie der Vorsitzende David Lazar AFP erzählte. Geld wird in erster Linie über den Kanal ‚Assyrian National Broadcasting‘ gesammelt. Neben Nahrung, Kleidung und Schutzmaterialien wurde eine der „top five“ Sicherheitsfirmen engagiert, um Freiwillige zu trainieren. Der Großteil des Geldes komme von Assyrern, die in den USA leben, z.B. von Joseph Baba, einem Autoverkäufer aus Teheran, der seit 2000 in Kalifornien lebt und auf einen Schlag 10.000$ gespendet hat[5].

Er sagte AFP auch sofort, dass Terrorexperte Walid Phares, ehemaliger Anführer einer christlichen Miliz im libanesischen Bürgerkrieg, stark involviert sei. Baba bestritt später die Aussagemacht zu haben und Phares seinerseits stritt eine Verbindung ab. Er berate lediglich MECHRIC, ein Zusammenschluss von NGOs im Nahen Osten, zu denen auch AMO gehört. AMO versichert auch, dass eine Unterstützung der Organisation keine Terrorfinanzierung ist[6].

Irakischer Staat erodiert weiter

Die Ziele der Niniveh Protection Unit (NPU) sind durchaus ehrenhaft. So sollen ethnische und religiöse Minderheiten vor Da’esh geschützt werden und die Miliz beinhaltet neben Christen auch Jesiden. Nach Da’esh soll die Wirtschaft durch Mikro-Kredite angekurbelt werden, derzeit fließen „zehntausende Dollar“ an Flüchtlinge. Außerdem werden Familien von Kämpfern, die im Kampf fallen, unterstützt[7].

Experten warnen aber einheitlich vor einer Erodierung des irakischen Staates, in erster Linie aber mit Blick auf durch Iran unterstützte schiitische Milizen. Am 21. Januar 2014 gab die irakische Regierung bekannt, dass in der Niniveh-Prärie ein neuer Bundesstaat entstehen soll, der als sicherer Ort für Assyrer und Jesiden fungieren würde. Der Großteil dieses Territoriums wird derzeit von Da’esh beherrscht[8].

Auf ihrer Homepage wirbt Restore Niniveh Now damit, dass Assyrer und Jesiden seit über 100 Jahren von muslimischen Herrschern unterdrückt würden und dass es somit endlich an der Zeit sei, dass Territorium für diese Gruppen zu realisieren. Dazu versuche die NPU vom irakischen Staat anerkannt zu werden[9]. Nichtsdestotrotz wird hier eine Miliz aufgebaut, die abseits des irakischen Staates für eigene Interessen kämpft. Die Erodierung des Iraks wird dadurch weiter betrieben.

Dabei liegen solche Beobachtungen aber im Trend: seit Ende des Kalten Krieges zieht sich der Staat immer weiter zurück, kann dabei das Gewaltmonopol nicht durchsetzen und private Akteure treten in diese Lücke. Werden sie nicht bezahlt, holen sich Milizen ihren Lohn. Was für ein Land wie den Irak aber schlimmer wiegt, ist, dass die Milizen dort ethnisch oder konfessionell sind und sich dem irakischen Staat nicht verpflichtet fühlen[10]. Kritiker können zwar einwerfen, dass es nie richtig starke, moderne arabische Staaten gab. Nichtsdestotrotz nehmen die irakischen Sicherheitskräfte eine immer mehr marginale Rolle ein. Für die Zukunft des Iraks als Staat hat dies erheblich negative Auswirkungen.

Finanzierung ist eine Grauzone

VanDyke und andere Privatpersonen agieren bei ihrer Finanzierung zudem in einer Grauzone, da bspw. SOLI nur als Firma in den USA registriert ist. Für das Trainieren von bewaffneten Gruppen ist jedoch eine Lizenz von der US-Regierung notwendig. VanDyke meinte allerdings, dass ihm das egal sei, da seiner Ansicht nach die Einstellung der USA ist: „as long as you shoot in the right direction they don’t care“[11].

Der Begriff „Da’esh“ anstatt ISIS oder IS wird hier absichtlich verwendet. Es ist das arabische Akronym für ad-daula al-islāmiyya fī l-ʿIrāq wa-š-Šām (Islamischer Staat in Irak und Groß-Syrien). „Da’esh“ bedeutet als Verb im Arabischen auch ‚auf jemandem herumtrampeln‘ und wird hier erstens wegen dieser Bedeutung gebraucht, aber auch, weil der Autor durch eine Verwendung des Wortes „Staat“ in der Verbindung mit dieser Gruppe keine Legitimität verleihen möchte.

[1] Homepage Restore Niniveh Now. Online aufrufbar unter http://www.restoreninevehnow.org/.

[2] Pizzi, Michael (26.02.2015): Assyrian Christians crowdfunded an army to retake homeland from ISIL. Online aufrufbar http://america.aljazeera.com/articles/2015/2/26/on-the-brink-of-extinction-assyrian-christians-crowd-fund-an-army.html.

[3] Homepage Sons of Liberty International. Online aufrufbar http://www.sonsoflibertyinternational.com/.

[4] Homepage Restore Niniveh Now.

[5] Krohn, Jonathan (07.04.2015): US Christians back emerging private war on Iraqi Jihadists. Online aufrufbar  http://news.yahoo.com/us-christians-back-emerging-private-war-iraq-jihadists-110207743.html.

[6] Ebd.

[7] Homepage Restore Niniveh Now. Online aufrufbar unter http://www.restoreninevehnow.org/.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Ralph-M. Luedtke, Peter Strutynski (Hrsg.): Pazifismus, Politik und Widerstand. Analysen und Strategien der Friedensbewegung, Jenior Verlag: Kassel 1999, S. 16-26.

[11] Krohn (2015)

Kurden demonstrieren im Iran

In Mahabad im Nordwesten Irans ist es in den letzten Tagen zu massiven Demonstrationen seitens der mehrheitlich kurdischen Bevölkerung gekommen. Die Proteste richten sich zwar in erster Linie gegen die Polizei, es ist aber anhand von Statements verschiedener kurdischer Gruppen deutlich zu erkennen, dass es ebenso gegen den iranischen Staat als solchen geht.

Der Auslöser der Demonstrationen war der Tod von Farinaz Khosrawani, einer 23-jährigen Frau am Donnerstag (07.05.2015). Berichten zufolge wollte ein Mann sie im besten Hotel der Stadt, dem Tara Hotel, vergewaltigen. Um dem zu entgehen stürzte sie sich vom vierten Stock in den Tod. Die Forderungen der Demonstranten waren anfangs lediglich den Mann nicht ungestraft entkommen zu lassen.

Kurdische Nachrichtenagenturen schreiben, dass der Mann ein Polizist war[1], wohingegen al Jazeera berichtet, er sei lediglich ein Sicherheitsangestellter im Hotel gewesen und hätte laut Polizei keine Verbindungen zu iranischen Sicherheitskräften. Al Jazeera schreibt ebenfalls, dass der Mann mittlerweile verhaftet wurde und gegen ihn ermittelt wird[2].

Eskalation der Demonstrationen

Fest steht jedoch, dass die Proteste dann eskaliert sind, als iranische Sicherheitskräfte einschritten. Viele Kurden fassten dies als Provokation auf, spätestens als die Kräfte das Feuer auf die Demonstranten eröffneten[3]. Dabei wurden zwei Menschen getötetet, über 50 verletzt und 37 festgenommen, wie die syrisch-kurdische Ara News berichtet. Dabei wurden auch Teile des Hotels in Brand gesteckt[4].

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat Berichten zufolge die Sicherheitskräfte dazu aufgerufen, wieder abzuziehen und die Kurden friedlich demonstrieren zu lassen. Es kam trotzdem zu heftigen Zusammenstößen, da die Demonstranten nicht aufgaben[5]. Alireza Radfar, der Governeur der Provinz, hat unterdessen versucht die Lage zu beruhigen. Er versicherte, dass der Vorfall genauestens untersucht wird und es ausgeschlossen sei, dass der Vergewaltiger ein Polizist sei. Seiner Ansicht nach seien dies lediglich Lügen, die in sozialen Medien kursieren[6].

Das dies allerdings nicht genügen könne, zeigt ein Statement der Kurdistan Freedom Party (PAK), in dem es heißt, dass die Partei Anweisungen an ihre bewaffneten Einheiten gab, sich kampfbereit zu machen. Eines der führenden Mitglieder der Kurdish Youth Movement (YCT), Abdul Majeed Tamer, sagte offen aus, kurdische Kräfte würden gegen iranische Sicherheitskräfte vorgehen, sollten diese die Demonstranten weiterhin an friedlichen Protesten hindern. Laut Tamer hat die PAK Schläferzellen in allen kurdischen Städten im Iran und könnte diese jeder Zeit erwecken. Er fügte aber auch hinzu, dass die Kurden sich klar sind, dass friedliche Demonstrationen – er benutzt sogar das Wort ‚Revolution‘ größere Erfolge zeigen können. Deswegen warte man noch ab, wie sich die Lage entwickelt[7].

Kurdische Aktivisten geben sich derweil siegessicher. Auch in anderen Städten soll es zu Kundgebungen kommen, so lange, bis die Kurden ihre ‚Freiheit und Würde‘ zurückerlangen. Viele fühlen sich vom Iran unterdrückt. Mahabad hat auch symbolische Bedeututng für viele Kurden, da hier am 1. Janaur 1947 die Republik Mahabad gegründet wurde, ein unabhängiger kurdischer Staat. Er wurde kurz darauf wieder vom Iran einverleibt[8]. In jüngster Vergangenheit gab es dazu unzählige Berichte von Folter und Exekutionen iranisch-kurdischer Aktivisten[9].

Kurden erstarken dank des Kampfes gegen ISIS

Die Ereignisse zeigen, dass die Kurden in der Region vor allem durch die Unterstützung es Westens im Kampf gegen ISIS neues Selbsvertrauen sammeln. Alte Rufe nach Unabhängigkeit werden wieder laut. Weder in der Türkei, noch in Syrien, im Irak oder im Iran fühlen sich kurdische Minderheiten wohl. Es scheint derzeit unwahrscheinlich, dass es bald einen eigenständigen kurdischen Staat geben wird – das hat unlängst Obama während des Washington-Besuchs Barzanis, der Präsident der autonomen Region irakisch-Kurdistan, kenntlich gemacht. Wie sehr es aber unter der Oberfläche brodelt, machen die Demonstrationen im Iran deutlich.

[1] Sarbaz, Youssef (09.05.2015): Mahabad: Kurdish rise up against Iranian suppression. Online aufrufbar unter http://aranews.net/2015/05/mahabad-kurds-rise-up-against-iranian-suppression/

[2] Al Jazeera, author unknown (08.05.2015): Violent protest hits city in northwestern Iran. Online aufrufbar unter http://www.aljazeera.com/news/2015/05/150507171113919.html

[3] Now Media, author unknown (08.05.2015): Angry Kurds protest in Iran’s Mahabad. Online aufrufbar unter https://now.mmedia.me/lb/en/NewsReports/565240-angry-kurds-protest-in-irans-mahabad

[4] Sarbaz (09.05.2015)

[5] Now Media (08.05.2015)

[6] Tehran Times, author unknown (09.05.2015): People in Mahabad protest against suspicious death of local girl. Online aufrufbar unter http://www.tehrantimes.com/Index_view.asp?code=246587

[7] Shwaish, Ahmed (10.05.2015): Iran: Kurdish forces to take action and back peaceful protestors. Online aufrufbar unter http://aranews.net/2015/05/iran-kurdish-forces-to-take-action-and-back-peaceful-protesters/

[8] Sarbaz (09.05.2015)

[9] Dilshad, Muhammad (22.02.2015): Iran executes young Kurdish activists. Online aufrufbar unter http://aranews.net/2015/02/iran-executes-kurdish-young-activist/

Assads Beziehung mit IS

2003 fürchteten viele in Syriens Regierung, dass das Land nach der US-Invasion im Irak das nächste Opfer im Krieg gegen den Terror sein könnte. Deswegen trafen sie die Entscheidung, der Bush-Doktrin – autoritäre Regierungen zu stürzen – entgegen zu treten, indem sie den irakischen Widerstand unterstützten. Ehemalige Mitglieder von Saddam Husseins Regierung, die als Folge der Invasion ihre Jobs verloren, und Jihadisten bekamen Unterstützung. Für Syrien hatte dies zudem den Vorteil, dass das Land seine eigenen radikalen Salafisten loswerden konnte (Neumann 2014).

Obwohl Hafez al-Assad, Bashar al-Assads Vater, versuchte jegliche religiöse Opposition in Syrien zu zerstören, gab es auch in Syrien immer zumindest eine kleine Opposition. Hafez‘ Kampf dagegen erreichte 1982 in Hama seinen traurigen Höhepunkt, als syrische Soldaten die Stadt belagerten und stürmten, wobei 20.000 Menschen getötet wurden und diejenigen religiösen Führer, die noch lebten, emigrierten. In den 1990ern kam es auch in Syrien zu einer religiösen Wiederbelebung. Gründe dafür waren Korruption, ökonomische und politische Unzufriedenheiten und als Resultat eine Weltsicht, dass das säkulare System in Syrien keine Perspektive biete (Neumann 2014).

Diese Wiederbelebung ging natürlich nicht an Bashar al-Assad vorbei, der darin eine Chance sah, seine Macht auszubauen. Er wurde 2000 Präsident, als die religiöse Opposition gerade erstarkte. Während der ersten Jahre seiner Amtszeit versuchte er sicher zu stellen, dass die islamistische Szene nach seinen Regeln tanzte. Die Kontrolle über Moscheen wurde ausgeweitet, religiöse Führer wie Imame überwacht, islamische Banken gegründet und Gesetze wie das Kopftuchverbot oder das Verbot von Gebeten in der Armee wurden gelockert. Peter Neumann vom King’s College in London betont jedoch, dass diese Kontrolle nicht auf den jihadistischen Teil der Islamisten ausgeweitet wurde. Jihadisten wurden bei Salafisten immer beliebter, vor allem auf dem Land und in den Vorstädten von Dara’a im Süden oder Idlib und Aleppo im Norden. Um die Islamisten zu kontrollieren, wurden sie vom syrischen Geheimdienst infiltriert. Ein Dokument des US State Department, welches bei WikiLeaks veröffentlicht wurde, zitiert einen syrischen Geheimdienstoffizier, der nun auch zugab, dass man Jihadisten infiltriere, diese aber nicht festnehme, sondern auf günstige Momente warte, um dann etwas zu unternehmen. Zugleich war Syrien bis mindestens 2005 Partner im Kampf der USA gegen den internationalen Terrorismus und die USA brachten regelmäßig Gefangene nach Syrien, um sie ‚befragen‘ zu lassen (Neumann 2014).

Syrien etabliert Beziehungen zu irakischen Baathisten

Die US-Invasion im Irak wirkte sich aber auch auf Syrien aus. Wie schon erwähnt, fürchtete man in Syrien, dass man das nächste Opfer sei und man nahm den Krieg auch als eine Chance war, die eigene wachsende jihadistische Szene loszuwerden. Syrische Radikale wurden in den Irak geschickt, während ehemalige irakische Offiziere Hussein’s nach Syrien kamen und dort den `New Regional Command´ gründeten, um Geld auch in Europa und in den USA zu sammeln, Waffen zu erwerben und Kämpfer zu trainieren. Alles unter den Augen der syrischen Regierung (Ricks 2004).

Durch die Unterstützung dieser Gruppen erhoffte Assad seinen Einfluss im Irak auszubauen, da er annahm, die USA würden früher oder später wieder abziehen. Auch wenn syrische und irakische Baathisten dieselbe Ideologie haben, war ihre Beziehung seit dem Iran-Irak-Krieg in den 1980ern doch schwer beschädigt. Damals unterstützte Syrien als einziges arabisches Land den Iran. Allerdings hatten die Iraker jetzt Millionen von Dollar und waren noch immer einflussreich im Irak (Naylor 2007).

2007 gab es dann eine Konferenz zwischen verschiedenen irakischen Widerstandsgruppen in Zabadani in der Nähe von Damaskus. Sieben irakische Gruppen beschlossen hierbei eine Allianz mit dem ausdrücklichen Ziel, die irakische Regierung zu stürzen. Syriens Hauptverbündeter Iran wollte, dass Assad die Konferenz absagt, war aber nicht erfolgreich. Teheran war zwar schon ein Big Player im Irak, hatte aber noch kaum Einfluss auf die dortigen Sunniten und Baathisten – was ein Grund dafür sein könnte, dass die Konferenz schlussendlich doch stattfand. Hunderte von Jihadisten kamen zu dieser Konferenz, darunter Harith al-Dari (Vorsitzender der Association of Muslim Scholars) und der Baathist Nizar Samari (ehemaliger Medienberater Saddam Husseins, der gleichzeitig als Sprecher der Konferenz fungierte) (Kersting und Tanter 2009).

2009 gab es am selben Ort eine zweite Konferenz. Diesmal hatte der irakische General Hussein Ali Kamal einen Spitzel unter den Teilnehmern. Hochrangige syrische Militärs und Geheimdienstler waren ebenso anwesend wie irakische Baathisten und Mitglieder von ISI (Islamischer Staat im Irak). Es ging um einen massiven Anschlag in Bagdad. Irak erhöhte daraufhin umgehend die Sicherheitsmaßnahmen, konnte den Anschlag aber nicht verhindern: am 19. August 2009 detonierten drei Bomben vor dem irakischen Finanzministerium, töteten 101 Menschen und verwundeten über 600. Die bilateralen Beziehungen zwischen Bagdad und Damaskus erreichten daraufhin einen Tiefpunkt und die Türkei wollte vermitteln. Allerdings vergeblich. Der syrische Delegierte Ali Mamlouk lächelte nur und sagte, er kenne niemanden an, der von einer Regierung stammt, die von den USA beherrscht werden (Chulov 2014).

Irak wird zum Ventil für syrische Radikale

Ein berühmter syrischer islamischer Prediger war Abu al-Qaqa. Jihadisten und Salafisten unterstellten ihm oft, dass er lediglich ein Agent Assads sei. Trotzdem war sein Einfluss enorm. 2003 rief er im Fernseh Muslime auf, in den Irak zu gehen und gegen die USA zu kämpfen. Er betonte, dass Syrer ihren Frust nicht an der eigenen Regierung auslassen sollten, was erklären würde, wieso diese ihn in Ruhe ließ. Sicherheit wurde in seinen Reden als etwas Gutes angesehen und zum Hauptgrund ernannt, weshalb syrische Jihadisten das eigene Land nicht als Ziel auswählen sollten (Moubayed 2007).

Während seines Lebens in Aleppo fehlte es ihm an nichts: er konnte sich immer frei bewegen (jedoch mit Bodyguards), hatte einen Merzedes und ein schönes Appartment; die Händler aus Aleppo unterstützten ihn wo immer sie konnten, was seinen Einfluss steigen ließ. Ob der syrische Geheimdienst ihn kreierte oder ob er ihn nur benutzte ist ein strittiges Thema. Allerdings war es immer offensichtlich, dass er Assad half, Syriens Straßen frei von Radikalen zu halten (Mouyabedi 2007), während Tausende an al-Qaqas Vorlesungen teilnahmen. Laut Neumann unterstützte al-Qaqa Abu Musab al-Zarqawi, den Führer von al-Qaida im Irak (AQI, der Vorgänger von ISI und damit dem heutigen IS) mit einer großen Anzahl an Kämpfern. 2003 kamen die mit Abstand meisten ausländischen Kämpfer im Irak aus Syrien (Neumann 2014).

Syrien wird zum Transit ausländischer Jihadisten

Schon bald waren aber Libyer und Saudis zahlreicher. 2006 entdeckte die US-Armee während einer Operation in Sinjar, nahe der syrischen Grenze, Dokumente, die detaillierte Informationen über die ausländischen Kämpfer bereitstellten: Name, Heimatland, Beruf, Kontakte zu Hause und – am wichtigsten für diesen Artikel – ihre Reiseroute in den Irak. Das Combating Terrorism Center at West Point hat den Fund publiziert. Demnach kamen die mit Abstand meisten Ausländer über Syrien in den Irak (Felter und Fishman 2007, S.20).

Die meisten kamen am internationalen Flughafen von Damaskus an, wo sie erst einmal vom syrischen Geheimdienst festgenommen wurden. Anschließend wurden sie ins Militärgefängnis Sadnaya in der Nähe von Damaskus gebracht. Falls sie als eine Sicherheitsbedrohung für Syrien angesehen wurden, blieben sie auch dort – falls nicht, wurden sie in den Irak transportiert (Abi-Habib 2014).

Die Route in den Irak ging hautpsächlich über Dayr al-Zawr, wo auch die meisten syrischen Kämpfer herstammten. Von dort ging es per Bus nach Abu Kalmal an die irakische Grenze und dann entweder per Bus oder zu Fuß weiter nach alQa’im im Irak (Felter and Fishman 2007, S.21).

Assad reduziert seine Unterstützung

2005 wurde klar, dass die US-Mission im Irak scheiten könnte und Syrien musste somit nichts mehr fürchten. Außerdem stellten die vielen irakischen Flüchtlinge Syriens Wirtschaft vor eine Herausforderung, AQI begann Schiiten anstatt die USA zu attackieren (ein Alptraum für Syriens herrschende Alawiten) und Syrien fing an eher Stabilität in der Region sehen zu wollen. 2007 wollte Assad dann auch die Unterstützung für den irakischen Widerstand masiv reduzieren. Im selben Jahr wurde al-Qaqa dann unter mysteriösen Umständen ermordert. Sein Begräbnis erinnerte mit der Nationalflagge um seinen Sarg und hochrangigen syrischen Regierungsmitglieder eher an ein Staatsbegräbnis (Neumann 2014). Wie aber an der Konferenz 2009 ersichtlich wird, blieb Assad einflussreich.

Die Sinjar-Dokumente belegten auch, dass al-Qaqa nicht der einzige in Syrien war: es gab demnach um die 100 Individuen, die Ausländer in den Irak halfen und Waffendepots in Damaskus, Latakia-Stadt, Deir ez-Zour und anderen größeren Städten in Syrien anlegten. Mit der Zeit verlor Assad zudem die Kontrolle über Gruppen, die im Irak operierten. Die Hauptkonsequenz dieser Politik war jedoch, dass Syrien dem internationalen Jihadisten-Netzwerk zugänglich gemacht wurde (Neumann 2014).

Die USA übten oft Druck auf Assad aus, damit dieser seine Unterstützung für den irakischen Widerstand einstelle und Syrien kooperierte teils sogar, indem hochrangige irakische Baathisten und Jihadisten verhaftet wurden. Nichtsdestotrotz betonten die USA immer, dass Syrien weitaus mehr unternehmen könne. 2005 führte dies dann zu Verstimmungen in Syrien, als Damaskus diplomatische Beziehungen mit den USA abbrachen (Kersting und Tanter 2009).

Die Wiederbelebung der Beziehung

Sehr bald nachdem die ersten Demonstrationen in Syrien 2011 begannen, entließ Assad viele Gefangene im Rahmen einer Generalamnesty, mit der er seinen Behauptungen zufolge seinen guten Willen demonstrieren wollte. Unter den Freigelassenen befanden sich Insaßen des Sadnaya-Gefängnisses, in welchem während des irakischen Widerstandes Jihadisten inhaftiert wurden. Damaskus behauptete oft, dass die Freigelassenen nie einen Terroranschlag verübt hätten (was durchaus der Wahrheit entsprechen dürfte). Aber Bassam Barabandi, der zu dieser Zeit ein Diplomat im syrischen Außenministerium war und mittlerweile defektiert ist, sagte dem Wall Street Journal, dass Assad nichts so sehr fürchtete wie eine friedliche Revolution. Deswegen ließ er Jihadisten frei, damit die Welt sich zwischen ihm und radikalen Fundamentalisten entscheiden könne (Abi-Habib 2014).

Ehemalige irakische Baathisten wie Haji Bakr, der Mastermind hinter IS, hatten neben guten Beziehungen zu Assad auch gute zu AQI entwickelt (mehr zu diesem Thema in Kürze). Ein Dreieck zwischen Assad, irakischen Baathisten und Jihadisten im Irak entstand. Jede Gruppe ging davon aus, dass sie die anderen benutzen könne, um den eigenen Einfluss zu steigern. Vor dem US-Abzug aus dem Irak 2011 wollte Syrien, wie schon erwähnt, diese Allianz reduzieren. Nach dem arabischen Frühling jedoch kam es zu einer Widerbelebung der Allianz. Im Januar 2014 flog die syrische Luftwaffe Angriffe ausschließlich auf Rebellen, wenn diese gerade gegen ISIS (der Vorgänger von IS) kämpften. Sogar als ISIS Raqqa einnahm konnte die syrische Luftwaffe vom Luftwaffenstützpunkt Tabaqa aus direkt neben der Stadt noch operieren. Dies änderte sich, als ISIS in Mosul schwere Waffen in die Finger bekam und sich nun stark genug fühlte, mit der Allianz zu brechen. Tabaqa wurde eingenommen und die 200 gefangengenommen syrischen Soldaten exekutiert (Reuter 2015).

Auch wenn Kämpfe zwischen Assad und IS zugenommen haben, bleiben gewisse Kontakte doch bestehen. Eine kürzlich erschienene BBC-Dokumentation zeigt auf, wie Assad Öl von IS kauft und damit hilft, die Gruppe zu finanzieren (Taylor 2015).

Die Allianz besteht derzeit offensichtlich nur, weil Assad Öl braucht und IS Geld – obwohl sie sich mittlerweile bekämpfen. Neumann schreibt, dass Assad denselben Fehler gemacht hat wie die USA und Saudi-Arabien in den 1980ern in Afghanistan: man glaubte, man könne den Jihad für eigene Zwecke missbrauchen (Neumann 2014).

Quellen:

Abi-Habib, Maria (22.08.2014): Assad Policies Aided Rise of Islamic State Militant Group. Online available http://www.wsj.com/articles/assad-policies-aided-rise-of-islamic-state-militant-group-1408739733.

Chulov, Martin (11.12.2014): Isis: the inside story. Online available http://www.theguardian.com/world/2014/dec/11/-sp-isis-the-inside-story

Felter, Joseph and Brian Fishman (02.01.2007): A First Look at the Sinjar Records. Online available https://www.ctc.usma.edu/posts/al-qaidas-foreign-fighters-in-iraq-a-first-look-at-the-sinjar-records.

Kersting, Stephen and Raymond Tanter (Spring 2009): Syria’s Role in the Iraq Insurgency in Focus Spring 2009 Vol.III: No.1. Online available http://www.jewishpolicycenter.org/827/syrias-role-in-the-iraq-insurgency.

Moubayed, Sami (27.06.2006): Syria’s Abu al-Qaqa: Authentic Jihadist or Imposer? in Terrorism Focus Vol.3, Issue 25. Online available http://www.jamestown.org/programs/tm/single/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=820&tx_ttnews%5BbackPid%5D=239&no_cache=1#.VToJ5Xt4TMI.

Naylor, Hugh (07.10.2007): Syria reportedly encourages Sunni insurgents. Online available http://www.nytimes.com/2007/10/07/world/africa/07iht-syria.1.7781943.html?_r=0.

Neumann, Peter (03.04.2014): Suspects into Collaborators. Online available http://www.lrb.co.uk/v36/n07/peter-neumann/suspects-into-collaborators.

Reuter, Christoph (18.04.2015): Secret Files Reveal the Structre of Islamic State. Onlive available http://www.spiegel.de/international/world/islamic-state-files-show-structure-of-islamist-terror-group-a-1029274.html.

Ricks, Thomas E.: General: Iraqi Insurgents Directed From Syria. Online available http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A5886-2004Dec16.html.

Taylor, Peter (22.04.2015): ‚It`s God`s gift.‘ Islamic Sate fills coffers with Iraqi government cash. Onlinve available http://www.theguardian.com/world/2015/apr/22/isis-fills-coffers-with-iraqi-government-cash.

Assad’s link to ISIS

Following the US invasion in Iraq in 2003 many high-ranking members in Syria’s goverment feared they would be the next victim in the war on terror. Thus they decided to counter the Bush-Doctrine, namely toppling authoritarian governments, by supporting the Iraqi resistance. Former members of Saddam Hussein’s goverment received aid as well as the Salafis. This also had the benefit for Syria that they could get rid of their own Salafis (Neumann 2014).

Although Bashar al-Assad’s father Hafez al-Assad tried to destroy any religious opposition to his government – which resulted in the massacre of Hama in 1982 when his troops killed 20,000 people and resulted in the emmigration of most of the religious leaders – even Syria wasn’t excempted from religious opposition. As all Arab countries in the 1990s, Syria too faced a revival of religion. This was especially due to corruption, economic and political grievances and a worldview that, as a result, Syria’s secular system doesn’t provide any perspective (Neumann 2014).

Bashar al-Assad was aware of this revival and wanted to exploit it to gain more power when he became president in 2000. In his first years in office he tried to make sure that the Islamic sector plays according to his rules, especially by controlling mosques and religious leaders, by founding Islamic banks and by loosening laws such as the ban of the headscarve or prayer in the armed forces. As Peter Neumann from King’s College in London notes, the control by this time didn’t include the Jihadist sector, which was gaining popularity among Salafis especially in suburbs and the countryside such as Dara in the south, Idlib in the north or Aleppo’s suburbs. In order to control Islamists in the country, the government infiltrated their ranks. According to a US State Deparment cable leadked by WikiLeaks, a Syrian intelligence officer confirmed to the US that they also started to infiltrate Jihadists ‚and only at the opportune moment do we move‘. At the same time Syria was a US partner against the war on terror and at least until 2005 did the US transfer suspects for ‚interrogation‘ to Syria (Neumann 2014).

Syria Establishes Ties to Iraqi Baathists

The US invasion to Iraq in 2003 had an impact in Syria, too. As already mentioned above, Syria feared that it would be next and also saw it as a chance to get rid of the rising Jihadist sector. Its own and foreign radicals were sent to Iraq while former Baath leaders came to Syria and founded the `New Regional Command` to collect money and weapons and train fighters (Ricks 2004).

By supporting those groups Assad hoped to gain influence in Iraq as he assumed that sooner or later the US will withdraw. Although Syrian and Iraqi Baathist have the same ideology, they had a bad relationship after the war between Iraq and Iran in the 1980s since Syria supported Iran. Yet now the Iraqis had millions of dollars and still remained influential in Iraq, two reasons for Assad to rethink his relations with them (Naylor 2007).

In 2007 a conference between Iraqi insurgent group was held in Zabadani close to Damascus. At this conference seven insurgent groups formed an alliance with the declared aim of toppling the goverment in Baghdad. Iran, Syria’s main ally, pressured Syria to cancel the conference – unsuccessfully. Teheran was already a big player in Iraq, but was still missing influence over the Sunnis and the Baathists there. This might be the reason why the conference wasn’t cancelled. Hundreds of Jihadists came, among them Harith al-Dari (head of the Association of Muslim Scholars) and Nizar Samari (spokesman of the conference and former media advisor of Saddam Hussein) (Kersting and Tanter 2009).

In 2009 another conference was held at the same location. This time, the Iraqi government in form of Major General Hussein Ali Kamal had somebody in the conference. Participants included high-ranking Syrian military and intelligence personell, Iraqi Baathists and members of ISI (Islamic State in Iraq). The conversation was about a massive attack in Baghdad. Iraq then increased security meassures, but couldn’t prevent the attack: on 19 August 2009 three bombs hit the Iraqi Treasury and left 101 one dead and over 600 wounded. As a result bilateral relations between Baghdad and Damascus soured and Turkey wanted to mediate. Yet the Syrian delegate Ali Mamlouk smiled and said he doesn’t recognise anybody from a government from a country that is occupied by the US (Chulov 2014).

Iraq as an Outlet for Syria’s Radicals

A famous Syrian Islamic preacher was Abu al-Qaqa. He was often accused by fellow Jihaists to being a sole agent for Assad. Yet his influence was enorm. After the US Invasion in 2003 he appeared on television and encouraged Muslims to go to Iraq and fight against the US. He also emphasised that the anger of Syrians should never be unleashed against their own government, which explains why he was left alone. Al-Qaqa also stressed out that security is a good thing and that this is the main reason why religious anger shouldn’t be released in Syria (Mouyabed 2006).

His life in Aleppo has always been comfortable, he could walk around freely (although he had bodyguards), had nice cars and a nice appparment. The Aleppine mercantile class supported him whenever they could and thus his influence was enormous. Whether Syrian intelligence created or just used him is a matter of controversery. Yet it has always been evident that he helped Assad to having his streets free of radicals (Mouyabed 2006), while thousands attended al-Qaqa`s lectures. According to Neumann al-Qaqa provided Abu Musab al-Zarqawi, the leader of al-Qaeda in Iraq, with a huge number of fighters. In 2003 the majority of foreign fighters in Iraq came from Syria (Neumann 2014).

Syria becomes a Transit for Foreign Fighters

Yet Syrians were soon outnumbered by Libyans and Saudis. In 2006 the US Army discovered documents during an operation in Sinjar, Western Iraq, which were provided detailed information about al Qaeda’s foreign fighters: names, country of origin, occupation, contacts at home and – most importantly for this article – their route to Iraq. The Combating Terrorism Center at West Point published the findings The vast majority of the foreign fighters that entered Iraq did so via Syria (Felter and Fishman 2007, p.20).

Most of them arrived via Damascus International Airport, where they were first detained by Assad’s intelligence. From there they were brought to Sadnaya military prison close to Damascus. If they were considered as a security threat to Syria they remained there – if not, they were brought to Iraq (Abi-Habib 2014).

The route was mainly via Dayr al-Zawr, where also most of the Syrian foreign fighters came from. From there the Jihadists went by bus to Abu Kalmal and then either by bus or by foot to al-Qa’im in Iraq (Felter and Fishman 2007, p.21) .

Assad Reduces Support for Insurgency

In 2005 it became clear that the US mission in Iraq was at risk and that Syria wouldn’t need to fear the US anymore. Further were the huge numbers of Iraqi refugees challenging the Syrian economy, AQI started targeting Shiites in Iraq instead of US forces (a horror for Syria’s ruling Alawites) and Syria started preferring stability in the region. In 2007 Assad also decided to reduce support for the Iraqi insurgency and al-Qaqa was killed under mysterious circumstances. Yet his funeral rather made the impression of an official government funeral with even high-ranking intelligence and military officers participating. Nevertheless, as can be seen by the conference in 2009, Assad remained influential in both Jihadist and Baathist sectors.

The Sinjar Documents also showed that al-Qaqa was not the only one in Syria: there were approximately 100 people like him who helped foreigners going to Iraq and stored weapons in Damascus, Latakia City, Deir ez-Zour and other big cities in Syria. With time Syria also lost control over the groups operating in Iraq. The main consequence of this policy was that Syria now received access to the international Jihadist network and gained importance for AQI, the Islamic State’s predecessor (Neumann 2014).

The US often pressured Assad to halt his support for the Iraqi insurgency and sometimes Syria even arrested high-ranking Iraqi Baathists and Jihadists. Yet the US always said they know Syria could do much more, which even led to a point when Syria stopped diplomatic relations with the US in 2005 (Kersting and Tanter 2009).

The Revival of the Alliance

Soon after demonstrations errupted in Syria in 2011, Assad released prisoners under a general amnesty with which he claimed to show his good-will. Among those who were released were also prisoners from Sadnya, where foreign Jihadists were imprisoned during the Iraqi insurgency. Syria has claimed that those who were released never committed a terrorist attack, but Bassam Barabandi, a diplomat in the Syrian Ministry for Foreign Affairs at that time and meanwhile defected, told the Wall Street Journal that Assad feared a peaceful revolution. The result was that Assad released Jihadists so that the world could either decide between him or Jihadists (Abi-Habib 2014).

Former Iraqi Baathists, such as Haji Bakr, the mastermind behind IS, also established good relations with AQI (more on this topic soon) while at the same time having good relations to Assad. It was a triangle between Assad, Iraqi Baathists and Jihadists fighting in Iraq. All thought they could use the other group to gain power. Even before the US withdrew, Syria wanted to see less of this alliance. Yet after the Arab Spring the alliance experienced a revival. In January 2014 the Syrian air force started to bomb solely rebel positions when they were fighting against ISIS. Even when the group took over Raqqa, they nearby Syrian military base Tabaqa was left alone – until ISIS seized modern weapons in Mosul and felt strong enough to brake the alliance with Assad by attacking the airbase and executing 200 soldiers (Reuter 2015).

Although the fighting between Assad and Islamic State has increased, contacts remain. A recent BBC documentary shows in detail how Assad is purchasing oil from IS and thus providing financial aid to the group (Taylor 2015).

The alliance is obviously only working now for the reason that Assad needs oil and IS money. Yet this doesn’t prevent the two sides from fighting each other. Neumann notes that Assad made the same mistake as the US and Saudi Arabia did in the Afghan war against the Soviet Union: they thought they could use Jihadists for their own purposes.

Sources:

Abi-Habib, Maria (22.08.2014): Assad Policies Aided Rise of Islamic State Militant Group. Online available http://www.wsj.com/articles/assad-policies-aided-rise-of-islamic-state-militant-group-1408739733.

Chulov, Martin (11.12.2014): Isis: the inside story. Online available http://www.theguardian.com/world/2014/dec/11/-sp-isis-the-inside-story

Felter, Joseph and Brian Fishman (02.01.2007): A First Look at the Sinjar Records. Online available https://www.ctc.usma.edu/posts/al-qaidas-foreign-fighters-in-iraq-a-first-look-at-the-sinjar-records.

Kersting, Stephen and Raymond Tanter (Spring 2009): Syria’s Role in the Iraq Insurgency in Focus Spring 2009 Vol.III: No.1. Online available http://www.jewishpolicycenter.org/827/syrias-role-in-the-iraq-insurgency.

Moubayed, Sami (27.06.2006): Syria’s Abu al-Qaqa: Authentic Jihadist or Imposer? in Terrorism Focus Vol.3, Issue 25. Online available http://www.jamestown.org/programs/tm/single/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=820&tx_ttnews%5BbackPid%5D=239&no_cache=1#.VToJ5Xt4TMI.

Naylor, Hugh (07.10.2007): Syria reportedly encourages Sunni insurgents. Online available http://www.nytimes.com/2007/10/07/world/africa/07iht-syria.1.7781943.html?_r=0.

Neumann, Peter (03.04.2014): Suspects into Collaborators. Online available http://www.lrb.co.uk/v36/n07/peter-neumann/suspects-into-collaborators.

Reuter, Christoph (18.04.2015): Secret Files Reveal the Structre of Islamic State. Onlive available http://www.spiegel.de/international/world/islamic-state-files-show-structure-of-islamist-terror-group-a-1029274.html.

Ricks, Thomas E.: General: Iraqi Insurgents Directed From Syria. Online available http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A5886-2004Dec16.html.

Taylor, Peter (22.04.2015): ‚It`s God`s gift.‘ Islamic Sate fills coffers with Iraqi government cash. Onlinve available http://www.theguardian.com/world/2015/apr/22/isis-fills-coffers-with-iraqi-government-cash.

Camp Bucca – „The Academy“

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In December 2014 the Guardian published an interview with Abu Ahmed, a high-ranking Islamic State commander. It was the first time that a IS commander talked about “Camp Bucca”, a former prison of the US army in southern Iraq which was closed in 2009[1]. One of the prisoners was Abu Bakr al-Baghdadi, the current ‘caliph’ of the IS. According to former US soldiers he was radicalized in Camp Bucca[2]. In the interview with the Guardian Abu Ahmed describes al-Baghdadis role in the prison: he functioned as the mediator in conflicts and used the principle “conquer and unite” to gather people around him. Even the US leadership of the prison saw an important mediator in him and consulted al-Baghdadi when conflicts in the prison occurred[3].

In February 2004 al-Baghdadi was imprisoned. The US army caught him in the house of his friend Nasif Jasim Nasif in Fallujah. According to a documentary published by the German ARD it is still not clear why he was imprisoned[4]. He was one of the founders of Jaysh Ahl al-Sunnah al-Jamaa (army of the men of the Sunnah), a group, which – like many others – shaded off into al-Qaeda in Iraq (AQI), the predecessor of the IS. Yet the US never realized whom they had in their prison. Baghdadi was quite, had a PhD in Islamic theology and genealogical tree down to the Prophet Muhammad – facts that contributed to his rise in Camp Bucca. In December 2004 he was released since nobody figured that there might be coming harm from his side[5]. Many doubt the genealogical tree down to the Prophet. ARD shows in its documentary that they couldn’t find any evidences for that[6].

Connections between al-Qaeda and Saddam’s former officers

Important personalities, many of them now high-ranking IS commanders, met in Camp Bucca. This is especially true for many former preachers and former Baath officers from Saddam Hussein. In the growing connection between the two sides we find evidence for the growing connections between AQI and tribal leaders (or Sheikhs) since AQI could use contacts of the Iraqi Baath party. Some of whom were imprisoned in Camp Bucca were Abu Ayman al-Iraqi (former general in the Baath army, today in the IS military council), Osama al-Bilawi (killed by the Iraqi army in summer 2014, before that also in the IS military council) und Haji Bakr (a former general of Saddam’s army, who – according to many sources – was the main connection between Saddam’s guys and AQI). Obviously many that were imprisoned in Camp Bucca became high-ranking members of the IS[7]. Back then al-Baghdadi hand-picked his men. He was looking for those with military experience[8]. Even when he was little he wanted others to listen to his words[9].

Even the US government admitted that its prisons had massive influence on the Iraqi resistance (yet AQI was only a little part of it). As for the Iraqi government, Camp Bucca is only called “The Academy”, because the Iraqi resistance was partly produced there[10]. Abu Ahmed even claims that without Camp Bucca there would be no IS today since the networks and the ideology was formed there. Prisoners that were released smuggled orders and news inside and outside by using their boxers. “Boxers helped us win the war” as Abu Ahmed puts it. This way terror groups formed and organized themselves right under the nose of the US army.  The Guardian states that Camp Bucca was the only place where the leaders didn’t need to fear attacks by the US army and thus had a quite place[11].

Camp Bucca – an al-Qaeda academy

Many former prisoners even accuse the US government to having tolerated an al-Qaeda school in Camp Bucca. Inmates were recruited, there were courses about Islam and even how to produce explosive traps or how to become a suicide bomber[12].

Now former Baathists help the Islamic State, because they are angry of what they lost. After 2003 Saddam Hussein’s men were sometimes not even allowed to pursue a career in a local school anymore. In a campaign called “De-Baathification” the Iraqi government and the US excluded them from the new state. Only from Saddam’s various intelligence services were over 100,000 prevented to go to work from 2003 onward[13]. The New York Times quotes a former officer that wanted to find a job in the Iraqi army – when they rejected him he went to the IS and threatened the Iraqi government. This is only one story out of many. According to Michael Knights, a researcher for the Washington Institute for Near East Policy, former Baathists even became religious after 2003. “What else did those guys have to do except getting more radical”, Knights ask rhetorical[14].

[1] http://www.huffingtonpost.com/2009/03/19/us-to-free-thousands-of-d_n_177139.html

[2] http://www.motherjones.com/politics/2014/07/was-camp-bucca-pressure-cooker-extremism

[3] http://www.theguardian.com/world/2014/dec/11/-sp-isis-the-inside-story

[4] http://www.ardmediathek.de/tv/Anne-Will/Weltspiegel-extra-Das-Phantom-des-IS-Te/Das-Erste/Video?documentId=26595216&bcastId=328454

[5] http://www.theguardian.com/world/2014/dec/11/-sp-isis-the-inside-story

[6] http://www.ardmediathek.de/tv/Anne-Will/Weltspiegel-extra-Das-Phantom-des-IS-Te/Das-Erste/Video?documentId=26595216&bcastId=328454

[7] http://english.al-akhbar.com/node/21519

[8] http://www.nytimes.com/2014/08/28/world/middleeast/army-know-how-seen-as-factor-in-isis-successes.html?_r=0

[9] http://www.ardmediathek.de/tv/Anne-Will/Weltspiegel-extra-Das-Phantom-des-IS-Te/Das-Erste/Video?documentId=26595216&bcastId=328454

[10] Ebd.

[11] http://www.theguardian.com/world/2014/dec/11/-sp-isis-the-inside-story

[12] http://www.aljazeera.com/news/middleeast/2009/12/2009121274712823455.html

[13] http://www.cfr.org/iraq/iraq-debaathification/p7853#p0

[14] http://www.nytimes.com/2014/08/28/world/middleeast/army-know-how-seen-as-factor-in-isis-successes.html?_r=0

Camp Bucca – „Die Akademie“

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Im Dezember 2014 veröffentlichte der Guardian ein Interview mit Abu Ahmed, einem hochrangigen IS-Kommandeur. Es ist das erste Mal, dass sich ein IS-Kommandeur zum „Camp Bucca“ äußert, ein ehemaliges Gefängnis der US-Armee im Südirak. Dieses Gefängnis wurde 2009 geschlossen[1]. Dort saß auch Abu Bakr al-Baghdadi, der jetzige ‚Kalif‘ des IS ein und hat sich laut ehemaligen US-Soldaten massiv radikalisiert[2]. Abu Ahmed beschreibt im Guardian Baghdadis Rolle im Camp: so war er Vermittler zwischen Konflikten und band wichtige Leute nach dem Prinzip „conquer and unite“ an sich. Sogar die USA sahen in ihm einen wichtigen Vermittler und konsultierten ihn bei Disputen zwischen Insassen[3].

Im Februar 2004 nahmen die USA Baghdadi in dem Haus seines Freundes Nasif Jasim Nasif in Falludscha fest. Laut einer ARD-Doku über ihn ist bis heute nicht ganz klar, warum er festgenommen wurde[4]. Baghdadi war zwar einer der Mitbegründer von Jaysch Ahl al-Sunna al-Jamaa (Armee der Vereinigung der Menschen der Sunna), einer Gruppe, die wie viele andere später in al-Qaida im Irak (AQI), dem Vorläufer des IS, aufging. Allerdings war den USA nie wirklich bewusst, wen sie da eigentlich in ihrem Gefängnis sitzen hatten. Baghdadi hingegen war ruhig, hatte einen Doktortitel in islamischer Theologie und konnte einen Stammbaum bis zum Propheten Muhammad vorweisen – alles Dinge, die seine große Rolle in Camp Bucca mit erklären. Im Dezember 2004 wurde er wieder entlassen, da man keine Gefahr in ihm sah[5]. Der Stammbaum zum Propheten wird heute von vielen bezweifelt, unter anderem in der ARD-Doku[6].

Beziehungen zwischen al-Qaida und Saddams alten Offizieren entstehen

Wichtige Persönlichkeiten, viele von ihnen sind heute ranghohe IS-Kommandeure, lernten sich in Camp Bucca überhaupt erst kennen. Das ist vor allem für ehemalige Prediger auf der einen und alte Baath-Funktionäre auf der anderen Seite zutreffend. Dies würde auch die damals wachsenden Verbindungen von AQI zu Stammesführern und sonstigen einflussreichen Personen im Irak erklären, da sie die Kontakte der Baath-Partei ausnutzen konnten. Hier seien kurz bekannte Namen genannt, die neben Baghdadi in Camp Bucca einsaßen: Abu Ayman al-Iraki (ehemaliger General der Baath-Armee, heute im Militärrat des IS), Osama al-Bilawi (wurde im Juni von der irakischen Armee getötet, war auch im Militärrat des IS) und Haji Bakr (ein ehemaliger General in Saddams Armee, der laut mehreren Quellen das Hauptverbindungsglied zwischen ehemaligen Baath-Offizieren und AQI war). In Camp Bucca saßen offensichtlich viele ein, die später hohe Positionen beim IS einnehmen sollten[7]. Baghdadi suchte sich damals seine Leute in Ruhe aus, wobei sein Fokus Männern mit militärischer Erfahrung galt[8]. Schon als Kind wollte er, dass man seinem Wort gehorcht[9].

Sogar die US-Regierung gab zu, dass ihre Gefängnisse einen hohen Einfluss auf den irakischen Widerstand hatten (AQI war nur ein kleiner Teil davon). In irakischen Regierungskreisen nennt man Camp Bucca heute „die Akademie“, da dort der irakische Widerstand mitgezüchtet wurde[10]. Abu Ahmed geht sogar so weit zu sagen, dass es seiner Meinung nach ohne Camp Bucca gar keinen IS gebe, da sich dort die Ideologie und die Netzwerke geformt hätten. Häftlinge, die entlassen wurden, schmuggelten in ihren Unterhosen Botschaften nach draußen – auf demselben Wege gelangten sie auch nach innen. „Boxers helped us win the war“, so Abu Ahmed. Vor den Augen der USA formierten und organisierten sich also Terrorgruppen. Der Guardian schreibt dazu, dass dies schließlich der einzige Ort war, an dem sich die Führer treffen konnten, ohne Angst vor Attacken seitens der US-Armee haben zu müssen[11].

Camp Bucca – die al-Qaida Akademie

Viele ehemalige Insassen gehen sogar soweit die US-Regierung zu beschuldigen, in Camp Bucca eine Al-Qaida Schule toleriert zu haben. Insassen sollen rekrutiert worden sein, es gab Kurse über den Islam und sogar darüber wie man Sprengstofffallen herstellt oder ein Selbstmordattentäter wird[12].

Ehemalige Baathisten helfen dem IS nun, weil sie wütend über ihren Statusverlust sind. Man wollte sie vom neuen Staat ausschließen, viele durften nicht mal noch auf dem lokalen Level in die Politik gehen oder an Schulen lehren – eine Kampagne mit dem Namen „De-Baathifizierung“ wurde ins Leben gerufen. Allein von Saddams verschiedenen Geheimdiensten wurden über 100.000 arbeitslos[13]. Die New York Times zitiert einen Offizier, der in die irakische Armee wollte – als diese ihn ablehnte, lief er zum IS über und drohte dem irakischen Staat. Das ist nur eine Geschichte von vielen. Nach 2003 wurden laut Michael Knights, einem Wissenschaftler am Washington Institute for Near East Policy, die ehemaligen Baath-Funktionäre zudem plötzlich religiös. „Was hatten diese Leute nach 2003 auch schon groß zu tun als noch radikaler zu werden?“ fragt Knights deswegen rhetorisch[14].

[1] http://www.huffingtonpost.com/2009/03/19/us-to-free-thousands-of-d_n_177139.html

[2] http://www.motherjones.com/politics/2014/07/was-camp-bucca-pressure-cooker-extremism

[3] http://www.theguardian.com/world/2014/dec/11/-sp-isis-the-inside-story

[4] http://www.ardmediathek.de/tv/Anne-Will/Weltspiegel-extra-Das-Phantom-des-IS-Te/Das-Erste/Video?documentId=26595216&bcastId=328454

[5] http://www.theguardian.com/world/2014/dec/11/-sp-isis-the-inside-story

[6] http://www.ardmediathek.de/tv/Anne-Will/Weltspiegel-extra-Das-Phantom-des-IS-Te/Das-Erste/Video?documentId=26595216&bcastId=328454

[7] http://english.al-akhbar.com/node/21519

[8] http://www.nytimes.com/2014/08/28/world/middleeast/army-know-how-seen-as-factor-in-isis-successes.html?_r=0

[9] http://www.ardmediathek.de/tv/Anne-Will/Weltspiegel-extra-Das-Phantom-des-IS-Te/Das-Erste/Video?documentId=26595216&bcastId=328454

[10] Ebd.

[11] http://www.theguardian.com/world/2014/dec/11/-sp-isis-the-inside-story

[12] http://www.aljazeera.com/news/middleeast/2009/12/2009121274712823455.html

[13] http://www.cfr.org/iraq/iraq-debaathification/p7853#p0

[14] http://www.nytimes.com/2014/08/28/world/middleeast/army-know-how-seen-as-factor-in-isis-successes.html?_r=0

IS macht Taliban Konkurrenz

Anfang des Jahres tauchten die ersten Berichte auf, die darauf schließen lassen, dass der IS nun verstärkt in Afghanistan und Pakistan Kämpfer rekrutiert. Zwar gibt es derartige Versuche schon länger (die ersten Berichte stammen von September 2014), jedoch defektierten in den letzten Wochen vermehrt Taliban-Kommandeure.  Eine wichtige Rolle spielte dabei Mullah Raouf Khadim. Er befehligte IS-Kämpfer in Helmand und versucht vermehrt Kämpfer für den IS zu rekrutieren, was die Taliban zu unterbinden versuchen[1]. Das hat bereits schon zu ersten Kämpfen zwischen den Taliban und neuen IS-Mitgliedern in Afghanistan geführt[2].

Die alleinige Präsenz des IS lässt die Taliban schon ziemlich alt und verkrustet aussehen, was sie zu grausamen Attacken in IS-Manier veranlassen könnte. Junge Afghanen sehen schließlich tagtäglich die Propaganda und die schnellen Erfolge des IS im Internet. Auch sind die Taliban rein auf Afghanistan und Pakistan fixiert und sind teilweise sogar zu Friedensgesprächen mit den USA bereit[3]. Der Afghanistan-Experte Michael Kugelmann sieht aber genau wegen der regionalen Agenda der Taliban keine allzu große Gefahr seitens des IS. Jedoch fügt er in einem Gespräch mit der Deutschen Welle hinzu, dass Perspektivlosigkeit in Afghanistan und Pakistan, gepaart mit radikalen Gruppen und Gedankengut, vor allem junge Männer für radikalere Ideen anfällig werden lässt[4].

Kommandeure laufen zum IS über

Im Oktober tauchte ein Schreiben des pakistanischen Parlaments auf, in dem es heißt, dass Leute des IS bereits Gerichte in Gebieten aufbauen, die sich jeglicher staatlichen Kontrolle entziehen. Bis zu 12.000 Anhänger sind es dort schon – diese Zahlen klingen meiner Einschätzung nach jedoch etwas überzogen, zumindest wenn man direkt von Anhängern spricht. Vor kurzem tauchten dazu noch zwei Videos auf: das eine zeigt Studenten in der Roten Moschee in Islamabad, die unter einer IS-Fahne sitzen und Abu Bakr al-Baghdadi die Treue schwören während der Kleriker Maulana Abdul Aziz sagt, der IS wäre hier willkommen; das andere zeigt Männer, die einen Soldaten enthaupten und ebenfalls dem IS die Treue schwören. Graeme Smith von der International Crisis Group erzählte Yahoo, dass es bereits einen ranghohen Taliban gegeben habe, der zum IS übergelaufen ist, weil er sich von den Taliban nicht genügend unterstützt sah. Nun hat er mehr Geld und mehr Waffen zur Verfügung[5].

Einige Kommandeure, die loyal zu Gulbuddin Hekmatyar stehen, zeigten sich schon im September bereit, dem IS beizutreten. Bedingung sei, dass die Wiederherstellung des Kalifats auch die wahre Absicht des IS sei. Desweiteren wurden Pamphlets auf Dari und Paschtu veröffentlicht, die Werbung für die Sache des Kalifats machen[6]. Mitte Januar wandte sich schon ein Konglomerat aus pakistanischen Taliban-Kommandeuren dem IS zu und sagte sich von den Taliban los[7]. Das letzte bekannte Beispiel war Maulana Abu Bakr, ein Emir der pakistanischen Taliban für ihre Baujar-Provinz. Er schwor for einer Woche am 02. Februar dem IS die Treue. Laut eigenen Angaben hat er viele ausländische „Mujaheddin“ in seinen Reihen[8].

Zentralasiatische Länder sind alarmiert

In Faryab sammeln sich laut dem afghanischen Abgeordneten Gulmuhammad Rasuli auch vermehrt IS-Kämpfer. Die lokale Bevölkerung berichtet von IS-Fahnen und Kämpfern, die sich durch die Dörfer bewegen und versuchen, junge Afghanen zu rekrutieren. Einige Taliban haben sich ihnen auch schon angeschlossen. Zuvor gab es bereits Berichte, dass sich Taliban-Kämpfer an der Grenze zu Turkmenistan sammeln. Auch Usbekistan und Tadschikistan melden eine größere Konzentration bewaffneter Männer auf der jeweils afghanischen Seite ihrer Grenzen. Laut tadschikischem Nachrichtendienst sammeln sich auch Kämpfer der IMU (englische Abkürzung für ‚Islamische Bewegung Usbekistans‘). Das tadschikische Militär hat deswegen eine neue Basis in Kulyab im Süden des Landes errichtet um dort Panzer, Militärfahrzeuge und schwere Waffen zu stationieren[9].

IS gründet Khorasan-Gruppe in Afghanistan

Ob Khadim auf Befehl von Baghdadi oder auf Eigeninitiative handelte kann nicht gesagt werden. In Verhören hat er stets abgestritten Mitglied bei den Taliban zu sein, war äußerst kooperativ – allerdings nur bis man auf seine eigene Rolle in Afghanistan zu sprechen kam (Taliban und Opiumhandel). Er wurde als „medium threat“ eingestuft und 2007 frei gelassen. Als er aus Guantanamo kam wurde er seines einflussreichen Amtes bei den Taliban enthoben. Dann wäre er nach eigener Aussage nur noch Baghdadi treu gewesen[10]. Gestern (09.02.2015) wurde er dann bei einem Luftangriff der USA im Norden der Provinz Helmand getötet[11].

Derweil hat eine Gruppe mit dem Namen „Khorasan“ in der Provinz Wardak versucht, Kämpfer zu rekrutieren. Khorasan ist ein alter Name für Afghanistan. Es hat auch einen mystischen Unterton, da laut einer alten Prophezeiung schwarze Fahnen über Khorasan wehen würden, bevor das Ende der Welt kommt. Ob die Gruppe Verbindungen zu derjenigen, die die USA in Syrien bombardierte, hat, ist jedoch ungewiss. Seit kurzem werden jedoch vermehrt Zivilisten ins Visier genommen. Die BBC berichtet von einem Volleyball-Spiel, dass von einem Selbstmordattentäter attackiert wurde. Die Taliban sahen von solchen Attacken in der Vergangenheit immer ab[12]. Ende Januar dann hat Abu Muhammad al-Adnani, der Sprecher des IS, in einem Statement offiziell die Gründung der Khorasan-Gruppe propagiert. Darin forderte er auch alle Mitstreiter auf, gegen Fraktionalismus einzustehen und sich zu verbrüdern – eine klare Botschaft an die Taliban[13].

Die tun sich immer schwerer, weil ihr Führer Mullah Omar sich schon 15 Jahre nicht mehr hat sehen lassen. Ein Kommandeur der Taliban hat Reuters gesagt, dass sie selbst immer mehr daran zweifeln, dass er überhaupt noch am Leben ist. Diskussionen über den schnellen Erfolg des IS werden so natürlich angeschürt[14]. Viele afghanische Stammesältere sagen derweil, dass sie bereits die Russen und die USA kommen und gehen haben sehen. Aber sie hoffen alle, dass der IS nicht komme[15].

[1] http://www.longwarjournal.org/archives/2015/01/ex-guantanamo_detain_2.php?utm_source=feedburner&utm_medium=email&utm_campaign=Feed%3A+LongWarJournalSiteWide+%28The+Long+War+Journal+%28Site-Wide%29%29

[2] http://news.yahoo.com/islamic-state-group-reaches-afghanistan-pakistan-183209282.html

[3] http://news.yahoo.com/islamic-state-group-reaches-afghanistan-pakistan-183209282.html

[4] http://www.dw.de/are-pakistani-militants-moving-closer-to-islamic-state/a-17899184

[5] http://news.yahoo.com/islamic-state-group-reaches-afghanistan-pakistan-183209282.html

[6] http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/asia/pakistan/11075390/Islamic-State-claims-Pakistan-and-Afghanistan-for-its-caliphate.html

[7] http://www.longwarjournal.org/archives/2015/01/video_pakistani_tali_2.php

[8] http://www.longwarjournal.org/archives/2015/02/pakistani_taliban_em.php?utm_source=feedburner&utm_medium=email&utm_campaign=Feed%3A+LongWarJournalSiteWide+%28The+Long+War+Journal+%28Site-Wide%29%29

[9] http://www.timesca.com/news/14907-islamic-state-fighters-appear-on-turkmen-afghan-border

[10] http://www.longwarjournal.org/archives/2015/01/ex-guantanamo_detain_2.php?utm_source=feedburner&utm_medium=email&utm_campaign=Feed%3A+LongWarJournalSiteWide+%28The+Long+War+Journal+%28Site-Wide%29%29

[11] http://www.khaama.com/mullah-abdul-rawouf-khadim-wounded-4-comrades-killed-in-drone-strike-29041

[12] http://www.bbc.com/news/world-asia-30777565

[13] http://www.longwarjournal.org/archives/2015/01/islamic_state_appoin.php?utm_source=feedburner&utm_medium=email&utm_campaign=Feed%3A+LongWarJournalSiteWide+%28The+Long+War+Journal+%28Site-Wide%29%29

[14] http://www.reuters.com/article/2015/01/21/us-mideast-crisis-southasia-insight-idUSKBN0KU2VC20150121

[15] http://www.bbc.com/news/world-asia-30777565

Yemen – a short overview of the current crisis

Eight days ago the Huthis asked former Yemeni President Hadi for the fast implementation of new reforms. Even before that they demanded an end of corruption, more political power for themselves – since they felt underrepresented – and urged all Yemenis to fight al-Qaeda. Little came. That is why they told Hadi that they would take serious steps if their demands wouldn’t be met. This week they took over the capital Sana’a[1].

As a reaction officials in Aden closed the harbor and the airport on Wednesday of the Huthi takeover in Sana’a, but re-opened both again on Thursday[2]. Members of al-Hirak then started rising flags of what was South Yemen until the civil war in 1994.

It can even be seen on the airport of Aden.

Meanwhile members of al-Hirak are now in control of police stations in 3 Yemeni provinces. They also deployed fighters in the south, especially in Aden, to protect their territory against a possible Huthi attack[3].

A high-ranking Huthi member arrived in Aden yesterday to talk to al-Hirak and prevent the war from further spreading.

Although Iran is supporting the Huthis, they are not controlling them. The Huthis are, unlike Lebanese Hezbollah, an independent movement[4]. Yet there are reports that pilots from Iran arrived in Sana’a to fly Yemeni warplanes against tribes in Marib[5]. So far I couldn’t find any reports about warplanes being currently used in Yemen. The Sunni tribes in Marib are mobilizing and arming themselves to prevent an attack from the Huthis against their oil-rich province[6].

Recent reports suggest that the Huthis took control of the Air Force, further firing the reports about the Iranian pilots.

Saudi Arabia is in the game, too. It supports Sunni tribes to use force against the Huthis and is also encouraging the Southern Movement in Aden to break away from the north, which is currently controlled by the Huthis[7].

Meanwhile several regions in Yemen refuse to take orders from Sana’a until the government is working again[8]. The provinces of Ibb and Taiz even declared independence from Sana’a[9].

According to AFP tribal fighters from Marib and al-Jawf arrived in Sana’a to protect Defense Minister Mahmud Subaihi and the head of the intelligence, General Ali al-Ahmedi.  They receive support from tribes in Sana’a and will use force if the Huthis won’t stop their coup[10].

At the same time saw Sana’a the hugest anti-Huthi protests that have ever taken place[11]. The protestors demand the reinforcement of President Hadi and burned pictures of their leader Abd al-Malik al-Huthi, while at the same time telling al-Qaeda to leave Yemen. People in other parts of Yemen went to the streets, too: in Ibb, Taiz, Hodeida and Aden[12]. Hadi’s residence in Sana’a is currently controlled by the Huthis and it seems as he was put under house arrest[13]

But there are already reports that the Huthis started to shoot at the protestors.

At the same time supporters of the Huthis gather in Sana’a to support their movement.

Nobody knows what will happen in Yemen and whether the country will fall apart. The Huthis demand for more power in the government and say they won’t stop until they receive it. It is a fact that the Huthis and the rest of the Yemeni Shiites have been underrepresented. Yet nobody knows whether the Huthi really try to take control over the whole country[14]. The UN is trying to broker a deal between all parties in Yemen, yet many refuse to talk to the Huthis.

It needs to be seen whether the Huthis stop their coup or whether they continue. Other influential Yemeni parties are not going to stand still while the Huthis take over the country. They have made that clear and even started mobilizing. It doesn’t seem possible that the crisis can be solved only inside Yemen: especially Saudi Arabia and Iran play a powerful role, as well as does Yemen’s ex-president Saleh who is supporting the Huthis[15]. The US accuses him of trying to spread insecurity and turmoil in Yemen to launch a coup and bring his son Ahmed to power[16].

The Yemeni parliament wanted to gather for an urgent meeting today, but postponed it without naming reasons. Voices are not getting louder for the parliament to leave Sana’a in protest of the Huthi take-over and to meet in Aden. Even the first MPs demanded for such a step[17]. If the Huthis don’t engage in negotiations with other parties in Yemen and make credible commitments, Yemen is likely to fall apart.

[1] http://de.qantara.de/content/machtkampf-im-jemen-die-neue-unuebersichtlichkeit

[2] http://www.reuters.com/article/2015/01/22/us-yemen-security-aden-idUSKBN0KV0FU20150122?feedType=RSS&feedName=topNews&utm_source=twitter

[3] http://www.aljazeera.com/news/middleeast/2015/01/yemen-southern-province-severe-ties-sanaa-150124083636348.html

[4] http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2015/01/yemen-hadi-resignation-houthi-al-qaeda-us-saudi.html?utm_source=Al-Monitor+Newsletter+[English]&utm_campaign=7ac7383e7a-January_23_2015&utm_medium=email&utm_term=0_28264b27a0-7ac7383e7a-102427241

[5] http://www.24yemen.net/news-3771642.html

[6] http://www.yementimes.com/en/1853/news/4817/Marib-tribes-demonstrate-support-for-Hadi.htm

[7] http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2015/01/yemen-hadi-resignation-houthi-al-qaeda-us-saudi.html?utm_source=Al-Monitor+Newsletter+[English]&utm_campaign=7ac7383e7a-January_23_2015&utm_medium=email&utm_term=0_28264b27a0-7ac7383e7a-102427241

[8] http://www.aljazeera.com/news/middleeast/2015/01/yemen-southern-province-severe-ties-sanaa-150124083636348.html

[9] http://www.aawsat.net/2015/01/article55340800

[10] http://www.mojahedin.com/newsen/32727

[11] http://www.aawsat.net/2015/01/article55340800

[12] http://www.middle-east-online.com/english/?id=69842

[13] http://www.theguardian.com/world/2015/jan/24/houthi-yemen-protesters-sanaa-president-hadi-resignation?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter

[14] http://www.usnews.com/news/articles/2015/01/21/tense-standoff-in-yemen-yields-tentative-agreement

[15] http://www.middle-east-online.com/english/?id=69842

[16] http://www.middle-east-online.com/english/?id=69668

[17] http://www.aawsat.net/2015/01/article55340800

Marib-Stämme im Jemen rüsten gegen Huthis

Bereits letztes Jahr im November gab es einen Anschlag von Stammeskämpfern in der jemenitischen Provinz Marib auf eine Öl-Pipeline[1]. Öl macht 70-80% der jemenitischen Staatseinnahmen aus und trägt 25% zum BIP bei[2]. In Marib wird die Hälfte des jemenitischen Öls produziert, über die Hälfte der Elektrizität und außerdem gibt es dort auch enorme Gas-Vorkommen[3]. Das macht die Provinz östlich von Sana’a zu einer strategisch unglaublich wichtigen.

Im Dezember kam es zu einer tödlichen Attacke auf jemenitische Soldaten in Marib. Die mehrheitlich sunnitischen Stämme in Marib machten die schiitischen Huthis dafür verantwortlich, welche ihrerseits die Anschuldigen vehement zurückwiesen. Als Reaktion gründeten Bewohner von Marib die „Söhne der Marib Allianz“. Ziel sei es jegliche Streitigkeiten zwischen Stämmen beizulegen und die Provinz gegen Feinde zu verteidigen. Abdullah Diman, der Sprecher der Allianz, sagte in Yemen Times, dass der Hauptzweck sei, die Huthis zu konfrontieren[4].

Schutz der Provinz Marib im Vordergrund

Man wolle jedoch sowohl auch gegen al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (englische Abkürzung: AQAP) als auch gegen Banditen vorgehen und die Öl-, Gas- und Elektrizitäts-Produktion sichern. Dafür gab es am 24. November eine Abmachung zwischen den Stämmen in Marib und den Huthis. Demnach verpflichten sich die Stämme die Bürger und Infrastruktur der Provinz zu schützen, im Gegenzug würden die Huthis von einem Einmarsch absehen. Die Frage, ob man die Abmachung einhalten solle, spaltete schon kurz danach die Stammes-Scheichs in Marib. Einige sagten, durch die Attacke auf die Soldaten wollten die Huthis die Stämme dazu bringen, das Abkommen zu brechen, um dann legitim einmarschieren zu können[5].

Mitte Januar dann wurden tausende Stammeskämpfer mobilisiert. Schätzungen und Angaben der Stämme in Marib gehen von bis zu 30.000 Mann aus. Hauptzweck sei die Eindämmung von AQAP und der Huthis. 13.000 Kämpfer seien an den Grenzen zu den Provinzen al-Jawf und Sana’a positioniert, weitere 17.000 drei Kilometer landeinwärts, so Saleh Lanjaf vom Sahil-Stamm. Außerdem habe man sechs Panzer, 450 Militär-Fahrzeuge und ein großes Arsenal an schweren Waffen[6].

In der Mitte der Karte die Provinz Marib, östlich von Sana'a

In der Mitte der Karte die Provinz Marib, östlich von Sana’a

Stämme überfallen jemenitische Armee

Der Großteil davon kommt wohl von der 62. Brigade der jemenitischen Armee. Diese wurde Anfang Januar nach Sana’a einberufen und auf dem Weg dorthin von Stämmen überfallen. Waffen wurden konfisziert und innerhalb Marib verteilt. So wolle man sich für den Kampf gegen die Huthis rüsten[7]. Offensichtlich haben die Stämme es geschafft, ihre Streitigkeiten beizulegen und rüsten massiv auf. Die Frage, die der Blogger Haykal Bafana in seinem Twitter-Account stellt, scheint daher legitim: wer finanziert das eigentlich alles?

Falls Geld von außen kommen sollte, ist es sehr wahrscheinlich, dass Saudi-Arabien dahinterstecke. Für das Land ist es ein Alptraum, dass die Huthis die Macht übernommen haben[8]. Außerdem ist der Gouverneur von Marib eng mit General Ali Mohsen verwoben[9]. Dieser wurde letzten Sommer von den Huthis vertrieben, da er der Islah-Partei angehörte – dem jemenitischen Ableger der Muslimbrüder, bis letzten Sommer von Saudi-Arabien finanziert. Nachdem Saudi-Arabien die Unterstützung einstellte, überrannten die Huthis die Islah-Partei und die meisten ihrer Führer, wie Ali Mohsen, mussten fliehen[10]. Saudi-Arabien kann nun unter dem neuen König Salman versuchen, alte Verbündete wieder zu beleben.

Marib-Stämme stehen hinter Hadi

Am Dienstag kontaktierten die Marib-Stämme nach einem Treffen die Presse. Sie verkündeten, hinter dem – mittlerweile ehemaligen – jemenitischen Präsidenten Hadi zu stehen. Sollten die Huthis ihn irgendwie gefährden, würden die Stämme die technische Infrastruktur in Marib zerstören und damit die Öl-, Gas- und Elektrizitäts-Produktion im Jemen ernsthaft gefährden[11].

Das Statement kam während die Huthis und Teile der Armee um den Präsidentenpalast in Sana’a kämpften[12]. Am Donnerstag legte dann Hadi sein Amt nieder und löste das Parlament auf[13]. Allerdings sind diese Amtshandlungen nicht gültig, bis der Premier-Minister mitsamt dem Parlament das annimmt. Beide treffen sich morgen zu einer außerordentlichen Sitzung[14].

Letzten Donnerstag kam es derweil schon zu ersten Gefechten zwischen Huthis und Stammeskämpfern in Khawlan-Watadah direkt an der Grenze zu Marib. Voraus ging dem ein Streit zwischen den Huthis und Stammeskämpfern, die neue Checkpoints errichteten. Die Huthis werfen dazu noch der Regierung in Marib vor, viel zu wenig gegen AQAP zu unternehmen[15].

Auch am Donnerstag wurde bekannt, dass die Stämme in Marib sich mit der 7. Brigade und dem Gouverneur von Marib zusammenzuschließen und die Provinz gegen einen eventuellen Einmarsch der Huthis zu verteidigen[16]. Kämpfe scheinen zusehends wahrscheinlich. Dass die Stämme jedoch ihre eigene Infrastruktur wie angedroht attackieren, bezweifeln Experten. Zu sehr hängen sie von Öl, Gas und Elektrizität ab. Jedoch wurden mittlerweile auch in anderen Provinzen wie Shabwa Erdölfirmen dazu aufgefordert, ihre Produktion aus Protest gegen die Huthis einzustellen[17]. Es bleibt abzuwarten, wie die Huthis sich nun Marib gegenüber verhalten. Bisherige Handlungen lassen aber darauf schließen, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis auch hier die ersten großen Kämpfe ausbrechen.

Zusätzlich dazu gibt es seit Freitag Berichte, dass iranische Kampfpiloten in Sana’a angekommen seien, um mit jemenitischen Kampfflugzeugen Angriffe auf die Stämme in Marib zu fliegen[18]. Ob die Berichte wahr sind kann hier nicht beurteilt werden. Auch in Twitter wird unter Jemeniten heftig darüber diskutiert. Bis jetzt kamen jedoch keine Berichte auf, wonach Kampfflugzeuge im Jemen eingesetzt werden.

[1] http://www.reuters.com/article/2014/03/22/us-yemen-crude-pipeline-idUSBREA2L0ER20140322

[2] http://www.yementimes.com/en/1850/news/4791/Thousands-of-armed-tribesmen-mobilize-in-Marib.htm

[3] http://www.reuters.com/article/2015/01/22/us-yemen-security-marib-idUSKBN0KV1BH20150122

[4] http://www.yementimes.com/en/1838/news/4635/Tribes-fear-killing-was-provocation-by-Houthis.htm

[5] Ebd.

[6] http://www.yementimes.com/en/1850/news/4791/Thousands-of-armed-tribesmen-mobilize-in-Marib.htm

[7] Ebd.

[8] http://www.washingtoninstitute.org/policy-analysis/view/coup-in-yemen-saudi-arabias-nightmare

[9] http://www.reuters.com/article/2015/01/22/us-yemen-security-marib-idUSKBN0KV1BH20150122

[10] http://www.atlanticcouncil.org/blogs/menasource/reading-saudi-tea-leaves-in-yemen

[11] http://www.yementimes.com/en/1853/news/4817/Marib-tribes-demonstrate-support-for-Hadi.htm

[12] http://www.sueddeutsche.de/politik/unruhen-im-jemen-rebellen-erobern-praesidentenpalast-1.2313695

[13] http://www.sueddeutsche.de/politik/jemen-praesident-und-regierung-treten-zurueck-1.2317598

[14] http://www.theguardian.com/world/2015/jan/24/houthi-yemen-protesters-sanaa-president-hadi-resignation?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter

[15] http://bigstory.ap.org/article/yemen-clashes-leave-least-6-dead

[16] http://www.reuters.com/article/2015/01/22/us-yemen-security-marib-idUSKBN0KV1BH20150122

[17] http://www.yementimes.com/en/1853/news/4817/Marib-tribes-demonstrate-support-for-Hadi.htm

[18] http://www.24yemen.net/news-3771642.html

Kasachische Kindersoldaten in Syrien und Irak

Circa 300 Kasachen waren laut Schätzungen im November beim Islamischen Staat, die Hälfte davon seien Frauen und viele hätten gleich ihre ganze Familie mit im Gepäck[1]. Im selben Monat publizierte der IS ein Video namens „Rennen zu Gott“, in dem er ein Trainingscamp für kasachische Kinder zeigt. Der ‚Star‘ dieses Videos ist ein gewisser Abdullah, der vorgibt aus Kasachstan zu sein. Er dürfte um die 10 Jahre alt sein und redet davon, ein Mujahid zu werden und Ungläubige zu töten[2].

"Wir werden euch Kuffar umbringen und massakrieren"

„Wir werden euch Kuffar umbringen und massakrieren“

Kinder seien laut IS diejenigen, die den Islam ihrer Interpretation in jede Region der Erde tragen werden.

Kinder seien laut IS diejenigen, die den Islam ihrer Interpretation in jede Region der Erde tragen werden.

Schießübungen für Kinder

Die vielen Kinder werden damit erklärt, dass die meisten Kasachen, die zum IS gehen, kaum Kampferfahrung haben und als Kanonenfutter gebraucht werden und so ihre Kinder zu Waisen werden. Circa 80% der beim IS kämpfenden Kasachen sind bereits getötet worden. Auch andere Gruppen wie chinesische Uiguren berichten, dass sie beispielsweise in Kobane gleich an die Front geschickt werden und man sie tötet, falls sie sich zurückziehen wollen[3].

Der Unterricht der Kinder, die alle im Alter zwischen vier und 12 sein dürften, besteht aus Koran, Arabisch, Tajwid (Koranrezitation) und Waffenausbildung[4]. Das Resultat ist, dass Abdullah und die anderen Kinder schwören, Ungläubige (Kuffar) und Polytheisten (Muschrikun) umzubringen. Laut IS stellen Kinder wie diese die nächste Generation von Kämpfern, weshalb man schon jetzt damit beginnt, sie auf den Kampf vorzubereiten[5].

Vor kurzem wurden die Drohungen wahrgemacht. So behauptete der IS zwei Spione vom russischen Geheimdienst FSB gefangen genommen zu haben. Einer der beiden sei demnach geschickt worden, um primär Informationen über russische Jihadisten zu sammeln und den Laptop eines IS-Führers mittels eines USB-Sticks anzuzapfen. Der andere hatte eigenen Angaben zufolge den Auftrag, einen IS-Kommandeur russischer Abstammung umzubringen. Die Namen der IS-Mitglieder wurden im Propaganda-Video ausgeschnitten. Am Ende des Videos tritt Abdullah neben einem älteren IS-Kämpfer auf, dieser liest den Koran vor, gibt Abdullah danach einen kurzen Stoß und das Kind erschießt anschließend die beiden FSB-Agenten[6].

Ashimov Sergey Nikolayavich

Ashimov Sergey Nikolayavich

Mamayev Jambulat Yesenjanovich

Mamayev Jambulat Yesenjanovich

Kurz vor der Exekution der beiden FSB-Agenten

Kurz vor der Exekution der beiden FSB-Agenten

Einer der beiden ist laut Radio Free Europe aus dem Nordkaukasus, der andere aus Kasachstan. Beide sollten vom FSB für ihre Mission per Banküberweisung bezahlt werden[7]. Kasachstan versucht mittlerweile der Emigration seiner Landsleute nach Syrien und in den Irak jedenfalls einen Riegel vorzuschieben, beispielsweise durch neue soziale Programme[8].

[1] http://www.eurasianet.org/node/71071

[2] http://www.dailymail.co.uk/news/article-2845531/ISIS-release-shocking-new-video-child-soldiers-Kazakhstan-trained-AK47s.html

[3] http://www.jamestown.org/programs/edm/single/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=43207&cHash=7512fd81cb78496058edc784c8c84bf8#.VL9eUmMcbsw

[4] http://english.alarabiya.net/en/News/middle-east/2014/11/24/ISIS-video-reveals-training-of-Khazakh-children-with-firearms-.html

[5] http://www.dailymail.co.uk/news/article-2845531/ISIS-release-shocking-new-video-child-soldiers-Kazakhstan-trained-AK47s.html

[6] http://jihadology.net/2015/01/13/al-ḥayat-media-center-presents-a-new-video-message-from-the-islamic-state-uncovering-an-enemy-within/ 

[7] http://www.rferl.org/content/islamic-state-execution-video-russia-kazakhstan-profiles/26795363.html

[8] http://www.jamestown.org/programs/edm/single/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=43207&cHash=7512fd81cb78496058edc784c8c84bf8#.VL9eUmMcbsw