Wichtige Begriffe

Es ist wichtig sich klarzumachen, was bestimmte Begriffe eigentlich bedeuten. Wenn man sich mit der islamischen Welt beschäftigt oder Nachrichten darüber liest, stößt man immer wieder auf Wörter, welche wenig bekannt sind. Zu diesem Zweck wurde folgende Liste mit den wichtigsten Begriffen erstellt. Sie wird kontinuierlich geupdatet.

  • Alawiten
    Die Alawiten (arabisch: ‏علويون) sind eine religiöse Sekte, die früher Nusayrier hießen. Sie sahen den Schwiegersohn des Propheten Muhammad, Ali ibn Abu Talib, als die Inkarnation des höchsten Gottes an. Vom 19. Jahrhundert an nannten sie sich selbst Alawiyun, also Anhänger Alis, um zu betonen, dass sie Muslime sind – was von vielen Muslimen jeher bestritten wird. Ein Teil der syrischen Alawiten kam 1971 mit dem Putsch von Hafez al-Assad (der Vater von Bashar al-Assad) an die Macht und regiert das Land seitdem. Allerdings muss man betonen, dass es auch viele Alawiten gibt, die von der Macht ebenso ausgegrenzt sind und waren wie andere religiöse Gruppen. Hafez‘ Sohn Bashar al-Assad regiert das Land seit dessen Tod. Seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs kann man daher öfter den Name Alawiten lesen.
  • Fatwa
    Eine Fatwa (arabisch: ‏فتوى‎) ist ein islamisches Rechtsgutachten, das nur von einem Mufti herausgegeben werden kann.
  • Fiqh
    Fiqh (arabisch: ‏فقه) geht aus der Schari’a hervor. Es ist der Begriff für die Wissenschaft, die die Schari’a als Gegenstand hat und den Menschen erklärt wie sie ein gottgefälliges Leben führen können – Fiqh interpretiert also die Schari’a und kann mit islamischer Rechtswissenschaft übersetzt werden. Schiiten und Sunniten haben beide verschiedene Fiqh-Schulen, auch innerhalb der jeweiligen Konfession.
  • Hadith
    Hadith (arabisch: حديث) ist ein arabischer Begriff, den man mit Bericht oder Erzählung übersetzen kann. Im Islam wird er in der islamischen Rechtswissenschaft (Fiqh) verwendet. Ein Hadith ist ein Bericht über eine Handlung des Propheten Muhammad oder einer, die er gebilligt hat. Somit sind Hadithe wichtig für Muslime, da sie glauben, dass man so wie der der Prophet leben müsse, um ein gottgefälliges Leben zu führen.
  • Hidschra
    Die Hidschra (arabisch: هجرة) fand 622 statt und ist der Begriff für die Emigration von Muhammad und seinen Gefolgsleuten von Mekka, wo sie verfolgt wurden, nach Medina. Dieses Ereignis ist gleichzeitig der Beginn des islamischen Kalenders.
  • Imam
    Ein Imam (arabisch: إمام) ist im sunnitischen Islam das, was ein Priester im Katholizismus ist: er leitet den Gottesdienst. Bei den Schiiten steht der Begriff jedoch für einen Nachfahren aus der Linie des Propheten Muhammad.
  • Imamat
    Das Imamat (arabisch: إمامة) ist das schiitische Konzept des Kalifats. Gemäß schiitischer Auffassung muss die Umma von einem direkten Nachfahren Muhammads geführt werden.
  • Islamismus
    Der Islamismus ist ein soziologisches Konzept ohne klare Definition. Einige definieren es mit allen Ideologien, die auf den Islam zurückgehen. Andere sind der Ansicht, dass man Islamismus nicht vom Islam unterscheiden kann, da der Islam einen Staat kreieren möchte und folglich fundamentalistisch wäre. Zuletzt gibt es noch solche, die sagen, man solle diesen Begriff abschaffen, da er sowohl Terroristen als auch demokratische Politiker, die ihre Religion ausüben, beinhalten kann.
  • Dschihad
    Dschihad (arabisch: ‏جهاد‎) ist ein arabisches Wort, das eigentlich Anstrengung bedeutet, aber auch mit Kampf übersetzt werden kann. Es meint die Anstrengung oder den Kampf auf Gottes Pfad. Im Koran und in den Hadithen steht es jedoch meistens stellvertretend für Kampf. Trotzdem geht aus dem Koran nicht eindeutig hervor, ob es nur den defensiven Kampf oder auch den aggressiven meint. Viele Muslime bestehen darauf, dass Jihad den inneren Kampf eines Menschen beschreibt, um ein guter Muslim zu werden.
  • Kalifat
    Ein Kalifat (arabisch: خلافة‎) ist eine islamische Staatsform, die man mit einer Theokratie vergleichen kann. Es beschreibt das Territorium und das Amt eines Kalifen, der Gottes Repräsentant auf Erden darstellt. In ihm kommen der religiöse und politische Führer zusammen.
  • Madrasa
    Eine Madrasa (arabisch: مدرسة) bedeutet einfach Schule. Diese kann sowohl religiös als auch säkular sein. Die Verwendung für eine religiöse Schule ist jedoch geläufiger.
  • Märtyrer
    Märtyrer (arabisch: شهيد, Schahid) beschreibt im Islam wie auch in jeder anderen Religion einen Gläubigen, der aufgrund seiner Religion verfolgt oder getötet wird. Folglich sehen andere Gläubige einen Märtyrer als Held an. Im Koran wird der Begriff jedoch meistens im Sinne von Zeuge gebraucht, in einem Fall beschreibt er jedoch einen Märtyrer. Durch diverse Hadithe wurde diese Definition standardisiert und durch den islamischen Terrorismus setzt man im Westen den Begriff mit Terrorist gleich. Früher war es ein Muslim, der gestorben ist während er religiöse Gebote befolgte.
  • Mufti
    Ein Mufti (arabisch: مفتي) ist ein Muslim, der im islamischen Recht ausgebildet wurde und weiß, wie man Fiqh betreibt um die Schari’a zu interpretieren.
  • Muhammad
    Muhammad (arabisch: محمد) ist im Islam der letzte Prophet in einer Reihe von vielen, die unter anderem auch Moses und Jesus beinhaltet. Als er seine ersten Überlieferungen vom Engel Gabriel bekommen hatte, behielt er diese vorerst für sich. Nach der Bekanntgabe der ersten Überlieferungen sah sich Muhammad mit einer wachsenden Feindschaft der Bewohner Mekkas konfrontiert. Als dann Stämme aus Medina ihn fragten, ob er in ihren Disputen verhandeln könne, nahm Muhammad die Gelegenheit war und emigrierte 622 (Hidschra) nach Medina. Von hier aus eroberte er 630 schließlich Mekka und in Medina war es, wo er 632 starb.
  • Mudschahid
    Ein Mudschahid (arabisch: مجاهد) ist ein Muslim, der Dschihad ausübt.
  • Mullah
    Ein Mullah (arabisch: ملا) ist ein männlicher oder weiblicher Muslim, der in islamischer Theologie und religiösem Recht unterrichtet ist.
  • Koran
    Der Koran (arabisch: القرآن) ist die heilige Schrift des Islams. Muslime glauben, dass alles, was im Koran steht das direkte Wort Gottes ist (nicht wie die Bibel, die aus Berichten besteht), wie es Muhammad vom Engel Gabriel empfangen hat.
  • Salafismus
    Salafismus (arabisch: السلفية) ist eine islamische Strömung. Ein Salafist ist jemand, der versucht, so wie die Muslime der ersten Generationen zu leben, da sie diese als das perfekte Beispiel für ein gottgefälliges Leben ansehen. Auf Deutsch kann man Salaf mit Vorgänger übersetzen. Ein berühmter Salafist des 19. Jahrhunderts war Muhammad Abduh, der den Islam und die Moderne als durchaus vereinbar miteinander hielt. Dann gibt es aber auch solche Salafisten, die in Tradition von Ibn Taymiyya, einem Gelehrten aus dem 13. Jahrhundert, stehen und den Islam von allem, was sie als illegitime Erneuerungen ansehen, reinigen wollen.
  • Schari’a
    Schari’a (arabisch: شريعة) bedeutet göttliches Gesetz. Hier ist es wichtig sich vor Augen zu halten, dass der Begriff keine feste Schriftsammlung meint. Stattdessen basiert es auf dem Koran und den Hadithen und steht für die Methode, Gottes Gesetze greifbar zu machen. Um das zu schaffen wenden die Muslime Fiqh an.
  • Schiiten
    Shiitische Muslime (arabisch: ‏الشيعة‎, Shia) sind der Ansicht, dass die Umma von einem direkten Nachfahre Muhammads geführt werden soll. Dieser hatte nur eine Tochter, die zusammen mit seinem Schwiegersohn Kinder aus seiner Linie hervorbrachte. Die Nachfahren aus dieser Linie sind als Imame bekannt und gemäß schiitischer Lehre die legitimen Anführer der Umma. Deswegen beschreibt man ihre Staatsform mit Imamat. Für eine detailliertere Darstellung bitte hier klicken.
  • Sunniten
    Sunniten (arabisch: ‏أهل السنة, Ahl al-Sunna bedeutet so viel wie Volk der Tradition) sind der Auffassung, dass der Anführer der Umma nicht direkter Nachfahre des Propheten sein muss, sondern lediglich von seinem größeren Stamm, den Quraysh, abstammen muss. Für eine detailliertere Darstellung bitte hier klicken.
  • Taliban
    Ein Talib (arabisch: طالب) ist ein Student oder eine Person, die nach etwas sucht. Die Taliban sind eine islamisch-fundamentalistische Gruppierung in Afghanistan und Pakistan. Sie gingen aus afghanischen Flüchtlingscamps in Pakistan heraus und wurden in Madrasas unterrichtet. Deswegen nannten sie sich selbst Taliban oder [religiöse] Studenten.
  • Umma
    Die Umma (arabisch: ‏أمة) ist der arabische Begriff für die Gemeinschaft aller Muslime weltweit. Einige Muslime sind der Ansicht, dass Nationalstaaten wieder abgeschafft werden müssen und ein Kalifat, in dem alle Muslime leben, wieder errichtet werden sollte (z.B. Islamischer Staat, Hizb ut-Tahrir).
  • Wahhabismus
    Wahhabismus (arabisch: وهّابية) ist eine Form des Islams, die auf Muhammad ibn ‚Abd al-Wahhab, einem arabischen Gelehrten des 18. Jahrhunderts, zurückgeht. Er wurde in Zentralarabien geboren und predigte, dass keiner, der die wahre Bedeutung des islamischen Glaubensbekenntnisses „Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammad ist sein Prophet“ nicht kenne, ein Muslim ist. Er wollte den Islam von allen Erneuerungen reinigen und war folglich auch ein Salafist. Nur Muslime, die seiner Doktrin folgen, wurden von ihm als Muslime anerkannt – die anderen wurden und werden immer noch zu Ungläubigen erklärt. Heute ist Wahhabismus in Saudi-Arabien und Katar dominant, wo er staatliche Förderung genießt. Wahhabiten bezeichnen sich selbst als Salafisten bzw. Muwahhidun (Einheitsbekenner), womit sie zum Ausdruck bringen, dass sie nur an einen Gott glauben. Des Weiteren fassen sie die Bezeichnung Wahhabiten als Beleidigung auf.

Ein Gedanke zu “Wichtige Begriffe

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