Marib-Stämme im Jemen rüsten gegen Huthis

Bereits letztes Jahr im November gab es einen Anschlag von Stammeskämpfern in der jemenitischen Provinz Marib auf eine Öl-Pipeline[1]. Öl macht 70-80% der jemenitischen Staatseinnahmen aus und trägt 25% zum BIP bei[2]. In Marib wird die Hälfte des jemenitischen Öls produziert, über die Hälfte der Elektrizität und außerdem gibt es dort auch enorme Gas-Vorkommen[3]. Das macht die Provinz östlich von Sana’a zu einer strategisch unglaublich wichtigen.

Im Dezember kam es zu einer tödlichen Attacke auf jemenitische Soldaten in Marib. Die mehrheitlich sunnitischen Stämme in Marib machten die schiitischen Huthis dafür verantwortlich, welche ihrerseits die Anschuldigen vehement zurückwiesen. Als Reaktion gründeten Bewohner von Marib die „Söhne der Marib Allianz“. Ziel sei es jegliche Streitigkeiten zwischen Stämmen beizulegen und die Provinz gegen Feinde zu verteidigen. Abdullah Diman, der Sprecher der Allianz, sagte in Yemen Times, dass der Hauptzweck sei, die Huthis zu konfrontieren[4].

Schutz der Provinz Marib im Vordergrund

Man wolle jedoch sowohl auch gegen al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (englische Abkürzung: AQAP) als auch gegen Banditen vorgehen und die Öl-, Gas- und Elektrizitäts-Produktion sichern. Dafür gab es am 24. November eine Abmachung zwischen den Stämmen in Marib und den Huthis. Demnach verpflichten sich die Stämme die Bürger und Infrastruktur der Provinz zu schützen, im Gegenzug würden die Huthis von einem Einmarsch absehen. Die Frage, ob man die Abmachung einhalten solle, spaltete schon kurz danach die Stammes-Scheichs in Marib. Einige sagten, durch die Attacke auf die Soldaten wollten die Huthis die Stämme dazu bringen, das Abkommen zu brechen, um dann legitim einmarschieren zu können[5].

Mitte Januar dann wurden tausende Stammeskämpfer mobilisiert. Schätzungen und Angaben der Stämme in Marib gehen von bis zu 30.000 Mann aus. Hauptzweck sei die Eindämmung von AQAP und der Huthis. 13.000 Kämpfer seien an den Grenzen zu den Provinzen al-Jawf und Sana’a positioniert, weitere 17.000 drei Kilometer landeinwärts, so Saleh Lanjaf vom Sahil-Stamm. Außerdem habe man sechs Panzer, 450 Militär-Fahrzeuge und ein großes Arsenal an schweren Waffen[6].

In der Mitte der Karte die Provinz Marib, östlich von Sana'a

In der Mitte der Karte die Provinz Marib, östlich von Sana’a

Stämme überfallen jemenitische Armee

Der Großteil davon kommt wohl von der 62. Brigade der jemenitischen Armee. Diese wurde Anfang Januar nach Sana’a einberufen und auf dem Weg dorthin von Stämmen überfallen. Waffen wurden konfisziert und innerhalb Marib verteilt. So wolle man sich für den Kampf gegen die Huthis rüsten[7]. Offensichtlich haben die Stämme es geschafft, ihre Streitigkeiten beizulegen und rüsten massiv auf. Die Frage, die der Blogger Haykal Bafana in seinem Twitter-Account stellt, scheint daher legitim: wer finanziert das eigentlich alles?

Falls Geld von außen kommen sollte, ist es sehr wahrscheinlich, dass Saudi-Arabien dahinterstecke. Für das Land ist es ein Alptraum, dass die Huthis die Macht übernommen haben[8]. Außerdem ist der Gouverneur von Marib eng mit General Ali Mohsen verwoben[9]. Dieser wurde letzten Sommer von den Huthis vertrieben, da er der Islah-Partei angehörte – dem jemenitischen Ableger der Muslimbrüder, bis letzten Sommer von Saudi-Arabien finanziert. Nachdem Saudi-Arabien die Unterstützung einstellte, überrannten die Huthis die Islah-Partei und die meisten ihrer Führer, wie Ali Mohsen, mussten fliehen[10]. Saudi-Arabien kann nun unter dem neuen König Salman versuchen, alte Verbündete wieder zu beleben.

Marib-Stämme stehen hinter Hadi

Am Dienstag kontaktierten die Marib-Stämme nach einem Treffen die Presse. Sie verkündeten, hinter dem – mittlerweile ehemaligen – jemenitischen Präsidenten Hadi zu stehen. Sollten die Huthis ihn irgendwie gefährden, würden die Stämme die technische Infrastruktur in Marib zerstören und damit die Öl-, Gas- und Elektrizitäts-Produktion im Jemen ernsthaft gefährden[11].

Das Statement kam während die Huthis und Teile der Armee um den Präsidentenpalast in Sana’a kämpften[12]. Am Donnerstag legte dann Hadi sein Amt nieder und löste das Parlament auf[13]. Allerdings sind diese Amtshandlungen nicht gültig, bis der Premier-Minister mitsamt dem Parlament das annimmt. Beide treffen sich morgen zu einer außerordentlichen Sitzung[14].

Letzten Donnerstag kam es derweil schon zu ersten Gefechten zwischen Huthis und Stammeskämpfern in Khawlan-Watadah direkt an der Grenze zu Marib. Voraus ging dem ein Streit zwischen den Huthis und Stammeskämpfern, die neue Checkpoints errichteten. Die Huthis werfen dazu noch der Regierung in Marib vor, viel zu wenig gegen AQAP zu unternehmen[15].

Auch am Donnerstag wurde bekannt, dass die Stämme in Marib sich mit der 7. Brigade und dem Gouverneur von Marib zusammenzuschließen und die Provinz gegen einen eventuellen Einmarsch der Huthis zu verteidigen[16]. Kämpfe scheinen zusehends wahrscheinlich. Dass die Stämme jedoch ihre eigene Infrastruktur wie angedroht attackieren, bezweifeln Experten. Zu sehr hängen sie von Öl, Gas und Elektrizität ab. Jedoch wurden mittlerweile auch in anderen Provinzen wie Shabwa Erdölfirmen dazu aufgefordert, ihre Produktion aus Protest gegen die Huthis einzustellen[17]. Es bleibt abzuwarten, wie die Huthis sich nun Marib gegenüber verhalten. Bisherige Handlungen lassen aber darauf schließen, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis auch hier die ersten großen Kämpfe ausbrechen.

Zusätzlich dazu gibt es seit Freitag Berichte, dass iranische Kampfpiloten in Sana’a angekommen seien, um mit jemenitischen Kampfflugzeugen Angriffe auf die Stämme in Marib zu fliegen[18]. Ob die Berichte wahr sind kann hier nicht beurteilt werden. Auch in Twitter wird unter Jemeniten heftig darüber diskutiert. Bis jetzt kamen jedoch keine Berichte auf, wonach Kampfflugzeuge im Jemen eingesetzt werden.

[1] http://www.reuters.com/article/2014/03/22/us-yemen-crude-pipeline-idUSBREA2L0ER20140322

[2] http://www.yementimes.com/en/1850/news/4791/Thousands-of-armed-tribesmen-mobilize-in-Marib.htm

[3] http://www.reuters.com/article/2015/01/22/us-yemen-security-marib-idUSKBN0KV1BH20150122

[4] http://www.yementimes.com/en/1838/news/4635/Tribes-fear-killing-was-provocation-by-Houthis.htm

[5] Ebd.

[6] http://www.yementimes.com/en/1850/news/4791/Thousands-of-armed-tribesmen-mobilize-in-Marib.htm

[7] Ebd.

[8] http://www.washingtoninstitute.org/policy-analysis/view/coup-in-yemen-saudi-arabias-nightmare

[9] http://www.reuters.com/article/2015/01/22/us-yemen-security-marib-idUSKBN0KV1BH20150122

[10] http://www.atlanticcouncil.org/blogs/menasource/reading-saudi-tea-leaves-in-yemen

[11] http://www.yementimes.com/en/1853/news/4817/Marib-tribes-demonstrate-support-for-Hadi.htm

[12] http://www.sueddeutsche.de/politik/unruhen-im-jemen-rebellen-erobern-praesidentenpalast-1.2313695

[13] http://www.sueddeutsche.de/politik/jemen-praesident-und-regierung-treten-zurueck-1.2317598

[14] http://www.theguardian.com/world/2015/jan/24/houthi-yemen-protesters-sanaa-president-hadi-resignation?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter

[15] http://bigstory.ap.org/article/yemen-clashes-leave-least-6-dead

[16] http://www.reuters.com/article/2015/01/22/us-yemen-security-marib-idUSKBN0KV1BH20150122

[17] http://www.yementimes.com/en/1853/news/4817/Marib-tribes-demonstrate-support-for-Hadi.htm

[18] http://www.24yemen.net/news-3771642.html

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