Boko Haram im indischen Drogenhandel

Boko Haram schloss im Sommer letzten Jahres einen Deal mit Dawood Ibrahim, dem einflussreichsten Drogenbaron in Südostasien, ab. Demnach würde der nigerianische Ableger al-Qaidas Drogen über Mumbai und Goa nach Indien schmuggeln. Dawoods jüngerer Bruder Anees Ibrahim sei laut Geheimdienstberichten letztes Jahr öfters nach Lagos in Nigeria gereist und habe dort Abu Bakr Shekau, den Anführer von Boko Haram, getroffen. Der vitale Link zwischen Boko Haram und Dawood sei Anees[1].

Laut dem indischen Geheimdienst seien 2500 Nigerianer im indischen Drogenhandel involviert, ein Großteil davon in Goa. 2013 gab es eine großangelegte Polizeirazzia in Goa, was die Nigerianer verwundbar machte. Auch hatten sie große Konkurrenz seitens der russischen Mafia, die bis dahin im Drogenhandel dominierte. Boko Haram sah seine Chance und stieg in Kooperation mit Dawood ins Geschäft ein – als eine Art Schutzmacht für die Nigerianer[2].

Dawood habe Geheimdienstberichten zufolge schon länger mit al-Qaida kooperiert. Sie halfen ihm beim Drogenschmuggel, er entsandte Trainer und Waffen; unter anderem auch nach Nord-Waziristan, um Taliban-Kämpfer auszubilden. Boko Haram und al-Qaida im Maghreb (AQIM) kontrollieren die Drogenrouten in Zentralafrika. Über diese Route gelangt der Großteil des Kokains aus Lateinamerika nach Asien und Europa[3].

Dawood startete seine Karriere in den 70ern, stellte in den 80ern Kontakte zu Lashkar-e-Tayyiba (LeK) und al-Qaida her und radikalisierte sich in den 90ern. Bis dahin hatte seine Gruppe, die „D-Gang“, viele Hindus in ihren Reihen. Als es im Dezember 1992 einen Anschlag auf die Babri Moschee im indischen Staat Uttar Pradesh gab und bei nachfolgenden Demonstrationen hunderte Muslime getötet wurden, schwor er Rache am indischen Staat zu nehmen. Er kooperierte mit LeK und dem pakistanischen Geheimdienst ISI und organisierte einen Bombenanschlag in Mumbai am 12. März 1993, bei dem 257 Menschen umkamen. Danach verlegte Dawood sein Hauptquartier nach Karachi in Pakistan. Zwar ist die Führerschaft seiner D-Gang zum Großteil eher säkular eingestellt, es gibt aber offensichtlich doch einen radikal-islamischen Anstrich[4].

Zu den Gruppen, die er heute mitfinanziert und ausbildet gehören das Haqqani-Netzwerk, al-Qaida, LeK und Jaisch-e Muhammad. Die USA und Indien haben deshalb Ende September beschlossen gemeinsam gegen Dawood vorzugehen[5]. Bereits am 16. Oktober 2003 haben die USA Dawood Ibrahim als Terrorfinanzier eingestuft und ein Vermögen von circa 136 Millionen US-$ eingefroren[6].

Die Nigerianer, die an Goas Stränden oder in den Straßen von Delhi und Mumbai Drogen verkaufen, gehören also mittlerweile zu Boko Haram. Der indische Geheimdienst geht von 2500 Nigerianern aus, die sich illegal in Indien aufhalten und im Drogenhandel involviert sind[7]. Logistisch von Dawoods D-Gang unterstützt.

[1] http://www.dnaindia.com/mumbai/report-boko-haram-ties-up-with-dawood-to-smuggle-drugs-in-india-2006673

[2] http://www.rediff.com/news/report/boko-haram-dawood-tie-up-to-sell-drugs-in-india/20140721.htm

[3] http://www.newindianexpress.com/thesundaystandard/Boko-Haram-Sinks-its-Narco-Terror-Fangs-into-India/2014/07/13/article2327584.ece

[4] http://fpc.state.gov/documents/organization/134960.pdf

[5] http://zeenews.india.com/news/narendra-modi-in-us/india-may-seek-us-help-for-dawood-ibrahims-extradition_1478422.html

[6] http://www.treasury.gov/press-center/press-releases/pages/js909.aspx

[7] http://www.indiatimes.com/news/world/do-you-think-isis-is-terrifying-heres-why-boko-haram-is-a-massive-threat-to-india-too-229326.html

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