Kämpfe zwischen Turkmenen und Taliban

Ende August und Anfang September gab es mehrere Kämpfe zwischen den Taliban und turkmenischen Grenzsoldaten[1]. Solche Konflikte gab es dieses Jahr bereits öfters und sie werden sich spätestens nach dem vollständigen Abzug der NATO aus Afghanistan verstärken. Unter anderem Afghanistans Nordwesten ist dank seiner Unwirtlichkeit ein Rückzuggebiet für jihadistische Gruppen wie den Taliban oder der IMU („Islamic Movement Uzbekistan“, deutsch: Islamische Bewegung Usbekistan)[2].

Taliban-Offensive an der afghanisch-turkmenischen Grenze

Der erste Konflikt fand im Februar dieses Jahres statt, als die Taliban angeblich die turkmenische Grenze überquerten und 3 turkmenische Soldaten töteten[3]. Allerdings bestritten die Taliban vehement irgendetwas mit dem Vorfall zu tun zu haben. In einem Statement sprachen sie den Familien der getöteten Soldaten ihr Mitgefühl und Beileid aus und betonten, dass sie sich in kein anderes Land einmischen werden – genauso wie sie keine Einmischung in Afghanistan duldeten[4].

In jedem Fall gab es im April eine Offensive der Taliban in der Grenzregion in der afghanischen Provinz Faryab, wodurch sie einige Dörfer erobern konnten. Die Taliban verstärken dadurch ihre Präsenz und Kontrolle über Landabschnitte entlang der turkmenisch-afghanischen Grenze[5]. In den anderen afghanischen Provinzen Herat, Badghis und Jowzjan, die ebenfalls an Turkmenistan grenzen, sind die Taliban auch stärker geworden. Die turkmenische Regierung scheint trotzdem nicht vorzuhaben in Kürze mit afghanischen Sicherheitskräften zu kooperieren. Laut Radio Free Europe ignorieren die dortigen Staatsmedien sogar die Vorfälle[6].

Mobilmachung in Turkmenistan

Berichte von afghanischen Dorfbewohnern zeichnen aber ein anderes Bild. Demnach sind turkmenische Truppen in Afghanistan einmarschiert und hätten bereits Schützengräben gegraben[7]. Desweiteren hat Turkmenistan Reservisten mobilisiert und an die afghanische Grenze verlagert[8]. Die turkmenische Armee besteht aus ungefähr 30.000 Kämpfern, davon 18.500 Fußsoldaten während die Luftwaffe aus lediglich 2 Staffeln besteht. Durch die hohe Präsenz von kaukasischen und usbekischen Kämpfern, die mit den Taliban gemeinsame Sache machen und teils dem IS die Treue geschworen haben, entsteht immer mehr ein Sicherheitsrisiko für Turkmenistan direkt an seiner Grenze. Einer Groß-Offensive seitens der Jihadisten hätte die Armee laut Jerusalem Post jedoch wenig entgegenzusetzen[9].

Afghanische Turkmenen greifen zu den Waffen

Die in Afghanistan lebenden Turkmenen nehmen ihr Schicksal mittlerweile selbst in die Hand. Lediglich 3% der 31 Millionen Afghanen sind Turkmenen – was aber trotzdem knapp 1 Million Menschen ausmacht[10]. Es gibt zwar Turkmenen, die sich den Taliban anschließen, der Großteil ist den Taliban aber eher feindlich gesinnt[11]. Vor allem alte Warlords aus den Zeiten des Kampfes gegen die Sowjets greifen wieder zu den Waffen, um ihre Dörfer vor den Taliban zu verteidigen. Emir Allaberen Karyad ist so ein Kommandeur. Der 65-Jährige wurde nach Attacken der Taliban gegen Dorfbewohner gefragt, ob er sie im Kampf führen kann[12]. Mittlerweile unterstehen ihm über 100 Kämpfer[13].

Karyad ist aber nur ein Beispiel von vielen. Turkmenische Milizen formieren sich in Afghanistan als Antwort auf die erweiterte Präsenz der Taliban und wollen sowohl sich selbst als auch Turkmenistan verteidigen. Weil sie waffentechnisch und teilweise auch zahlenmäßig den Taliban unterlegen sind, hoffen viele von ihnen auf Unterstützung aus Kabul und Ashgabat. Manche turkmenische Gruppen in Afghanistan geben bereits offen zu, dass Turkmenistan sie unterstützt. Dadurch versucht die Regierung in Ashgabat einen Sicherheitsring um das eigene Land zu ziehen. Falls die Taliban trotzdem wieder – oder wirklich – in Turkmenistan einmarschieren, würden sie laut einem hohen turkmenischen General „einen Schlag in die Fresse bekommen“[14].

Selbst wenn dies gelingen würde, wird es in naher Zukunft trotzdem vermehrt Kämpfe an der afghanisch-turkmenischen Grenze geben. Die Taliban sind dort zu zahlreich, als dass sie turkmenische Gruppen, denen es an Waffen und Kämpfern mangelt, bald vertreiben könnten. Falls die afghanische und die turkmenische Regierungen ein wirkliches Interesse an der Bekämpfung der Taliban in der Region haben, wäre eine bilaterale Kooperation dahingehend unausweichlich.

[1] http://centralasiaonline.com/en_GB/articles/caii/newsbriefs/2014/09/05/newsbrief-11

[2] http://www.jpost.com/Opinion/Will-Islamic-State-tip-the-balance-in-Turkmenistan-380913

[3] http://www.rferl.org/content/turkmenistan-afghanistan-taliban-attack/25280134.html

[4] http://www.khaama.com/afghan-taliban-rejects-killing-turkmenistan-border-guards-2848

[5] http://www.eurasianet.org/node/70056

[6] http://www.rferl.org/content/quishloq-ovozi-afghanistan-turkmen-turmoil/26530471.html

[7] http://www.eurasianet.org/node/70056

[8] http://www.eurasianet.org/node/68164

[9] http://www.jpost.com/Opinion/Will-Islamic-State-tip-the-balance-in-Turkmenistan-380913

[10] https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/af.html

[11] http://www.rferl.org/content/quishloq-ovozi-afghanistan-turkmen-turmoil/26530471.html

[12] http://centralasiaonline.com/en_GB/articles/caii/newsbriefs/2014/08/14/newsbrief-01

[13] http://centralasiaonline.com/en_GB/articles/caii/features/main/2014/08/26/feature-01

[14] http://centralasiaonline.com/en_GB/articles/caii/features/main/2014/09/09/feature-01

Ein Gedanke zu “Kämpfe zwischen Turkmenen und Taliban

  1. Pingback: IS macht Taliban Konkurrenz | Middle East Background

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